Predigt am Tag der Offensive 2019

Im Folgendem ist die textliche Ausarbeitung der Predigt von Pfr. Sebastian Führer über 1 Kön 8,22-24.26-28 am Tag der Offensive 2019

Am 10. April wurde ein „Foto“ eines schwarzen Loches präsentiert.

Menschen sind begeistert, wie groß das Weltall ist und weit wir in es hineinschauen können. Und zugleich merkt man, wie klein unsere Erde ist und erst recht wir Menschen. Und wie wenig wir davon erfassen können: Manche wissen nicht einmal, dass das gezeigte Foto gar kein Foto, sondern ein Bild ist. So sieht jedenfalls das schwarze Loch nicht aus wie auf dem Foto. Mit den Radioteleskopen wurden Radiowellen gemessen. Die sind für das Auge unsichtbar. (wikipedia) Aus 3.500 Terabyte gemessener unsichtbarer Wellen wurde das überall gezeigte Foto hergestellt.

Ähnlich wie beim Anblick des schwarzen Loches geht es auch König Salomo beim Anbeten des einzigen Gottes.

Für den Himmelfahrtstag ist in der Perikopenordnung der Ev. Kirche das Tempelweihegebet Salomos als Prtxt vorgegeben. Diese Vorgabe hat den Sinn, dass der Pfarrer nicht über Themen predigt. Denn Themen stehen nicht in der Bibel und sind nicht Wort Gottes. Aber Gottes Wort zu verkündigen ist der Auftrag der Kirche. Bei einer Themenpredigt ist immer der Prediger der Erste. Er sucht das Thema aus und die dazu nach seiner Meinung passenden Bibelstellen. Die Bibel bestätigt dann die Gedanken des Predigers. Bei Auslegung von Bibelstellen dagegen soll die Bibel an erster Stelle stehen. Und der Prediger soll ihr folgen.

So soll es auch heute sein.

Der Prtxt über das Tempelweihegebet Salomos steht im 1. Buch der Könige im 8. Kapitel, Verse 22-28:

Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel 23 und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage. … 26 Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast. 27 Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir.

Liebe Gemeinde!

Im 1. Teil meiner Predigt möchte ich den Bibeltext abschnittsweise auslegen. Im 2. Teil möchte ich beispielhaft darlegen, was Gott uns durch diesen Text heute für unseren Alltag zu sagen hat.

Salomo trat vor den Altar des HERRN angesichts der ganzen Gemeinde Israel und breitete seine Hände aus gen Himmel 23 und sprach: HERR, Gott Israels, es ist kein Gott weder droben im Himmel noch unten auf Erden dir gleich, der du hältst den Bund und die Barmherzigkeit deinen Knechten, die vor dir wandeln von ganzem Herzen; 24 der du gehalten hast deinem Knecht, meinem Vater David, was du ihm zugesagt hast. Mit deinem Mund hast du es geredet, und mit deiner Hand hast du es erfüllt, wie es offenbar ist an diesem Tage.

Nach 7 Jahren Bauzeit ist der Tempel fertig. König David durfte ihn nicht bauen, weil zu viel Blut an seinen Händen klebte. Aber sein Sohn Salomo durfte. Er kniet auf einer Erhöhung und betet mit erhobenen Händen. Alles Volk kann ihm zusehen. Wir können von Salomo lernen, beim Beten zu knien, z.B. bei der Beichte.

Salomo beginnt mit einer Erinnerung an das Schema Jisrael. Es gibt nur einen Gott: Jahwe. Immer dort, wo in einer deutschen Bibel das Wort Herr mit Großbuchstaben geschrieben wird, steht der Eigenname Gottes des Vaters: Jahwe. Salomo bekennt, dass Jahwe der einzige Gott ist.

Das bedeutet noch lange nicht, dass alle monotheistischen  Religionen der Welt an Jahwe glauben. Wenn sich drei Ehemänner unterhalten, denkt man auch nicht, dass alle mit derselben Frau verheiratet sind, nur weil sie alle verheiratet sind.

Auf das Bekenntnis der Einzigkeit Jahwes folgt das Bekenntnis seiner treue und Barmherzigkeit - sowohl für das Volk als auch konkret für die Familie Salomos. Jahwe steht zu seinen Verheißungen. Wohlgemerkt, zu seinen Verheißungen, nicht zu unseren Wünschen. Auch aus diesem Grund ist das Vaterunser so wichtig, dass es in jedem Gottesdienst gebetet wird, weil wir dort das bitten, was uns Jesus befiehlt zu bitten, nicht was wir uns wünschen.

König Salomo betet vor den Augen des Volkes kniend vor und zu Jahwe. Das ist das politische Mandat der Kirche. Die Welt beugt sich vor Gott. Der mächtigste Politiker des Landes bekennt sich zu und unterstellt sich dem allmächtigen Jahwe. Das Gebet ist die politische Tat des Christen. Gerade, wenn es öffentlich geschieht. Das Wort Politik kommt von Polis, dem griechischen Wort für Stadt und Gesellschaft oder Lebensgemeinschaft von Bürgern.

Wenn Christen öffentlich Gottesdienst feiern oder in einer Prozession, die ja ein Gebetsgang ist, durch den Ort ziehen, dann sind sie hochpolitisch tätig. Das habe ich gehört aus Wien. Dort sollen viele Christen auf dem Stadtring gelaufen sein, während sie den Rosenkranz beteten. Mit dem Ziel, dass die Russen abziehen. Und das taten sie. Österreich ist das einzige Land, dass die alliierten Besatzer so zeitig loswurde. In den neuen Bundesländern sind wir die Russen 1994 losgeworden. Und wie es bei euch in den alten Bundesländern ist, wisst ihr selbst am besten.

Oder nach der Leipziger Prozession vom 9. Oktober 1989. „Wir waren auf alles eingestellt, nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ so die Reaktion der damaligen Machthaber.

Ebenso politisch ist übrigens auch das Evangelisieren. Jesus sagt: Geht hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker. Politischer geht es nicht. wer es noch härter mag, kann sich dem Marsch für das Leben in Berlin anschließen. Das Ziel ist dabei nie, politisch sein zu wollen, sondern Christus nachfolgen zu wollen.

26 Nun, Gott Israels, lass dein Wort wahr werden, das du deinem Knecht, meinem Vater David, zugesagt hast.

Diese Bitte hat Jahwe erfüllt: In Jesus Christus. Dieser Sohn Davids ist tatsächlich untadelig vor seinem Vater gewandelt. Jesus war völliger Mensch wie wir – doch ohne Sünde.

27 Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

Hier stockt Salomo mitten in seinem Gebet. Sprachlich bezeichnet man so einen Satz als Irrealis, auf den selbstverständlich die Antwort ergeht: Natürlich wohnt Gott nicht auf der Erde. Eben weil die Erde ihn nicht fassen kann.

Aus diesem Irrealis ist ein Plusquamperfekt geworden durch Jesus Christus. Er war in die Welt gekommen und hatte Fleisch angenommen, um später leiden und schließlich auffahren zu können gen Himmel. Jesus sagt selber: Niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn. Johannes 3:13

28 Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir: 29 Lass deine Augen offenstehen über diesem Hause Nacht und Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast: Da soll mein Name sein. Du wollest hören das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte betet, 30 und wollest erhören das Flehen deines Knechts und deines Volkes Israel, wenn sie hier bitten werden an dieser Stätte; und wenn du es hörst in deiner Wohnung, im Himmel, wollest du gnädig sein.

Hier kommt Salomos ganzes Vertrauen zu Jahwe zum Vorschein. Obwohl er nicht auf Erden wohnt, lässt er sich doch auf Erden ansprechen und ist in Hörweite. Und das alles tut Jahwe aus Gnade, bekennt Salomo.

Soweit die abschnittsweise Auslegung. Nun komme ich zum zweiten Teil meiner Predigt.

Aller Himmel Himmel können Gott nicht fassen. So hat es Salomo im Prtxt gesagt. Man könnte das so umschreiben: Gott ist einfach nicht zu fassen:

1. Seine Größe nicht in Räume und 2. seine Liebe nicht in Herzen.

Zuerst: Gottes Größe kann nicht erfasst und gefasst werden. Gott kann man nicht in einen Raum einsperren oder zwingen. Das scheint mir allgemein verständlich. Aber das gilt nicht nur für ein Gotteshaus, sondern für jeden Raum. Im Weltall ist auch nicht genug Platz für Gott. In keinen Raum, auch nicht in alle Milchstraßen und Universen, passt Gott hinein, weil er auch diesen Raum erst geschaffen hat. Gott steht außerhalb von Raum und Zeit. X1 Gott ist nicht zu fassen. Das gilt auch für den Raum unseres Gehirns. Unser Kopf ist ja noch viel kleiner als eine Kirche. Wir können mit unserem Verstand Gott nicht vollständig erfassen. Die wenigsten Menschen in Deutschland könnten aus dem Stand die Abiturprüfung in Mathematik bestehen. Wie sollten sie da Gott verstehen, der den Verstand erst geschaffen hat? Vielleicht machen sich das nicht alle Menschen bewusst. Und doch geschieht es, dass Gott in die Schranken unseres kleinen Verstandes gewiesen werden soll. z.B. durch Sätze wie: Wenn es Gott gäbe, dann würde er keine Kriege zulassen. Wer so redet, meint, er könne Gott nicht nur verstehen, sondern sei sogar klüger als Gott. Aber Gott ist nicht zu fassen. Das kann uns helfen z.B. im Umgang mit Gottes Wort, der Bibel. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann sollte ich nicht meinen, Gott habe einen Denkfehler gemacht oder den biblischen Autoren Wahrheiten mit Verfallsdatum offenbart. Nein, wenn ich Gottes intellektuelle Unfassbarkeit verstehe und annehme, dann stelle ich mich unter Gottes Wort, nicht darüber. Wenn ich eine Bibelstelle nicht verstehe, dann kann ich Gott selber im Gebet fragen, was sie bedeutet. Und ich darf und soll meine Mitchristen um Hilfe bei der Erklärung der Bibelstelle bitten. Dafür sind die Hauskreise da und wichtig. Eure ökumenische Kommunität OJC will dazu helfen.

Der Kirchenlehrer Augustinus empfiehlt: Man soll sich von den hellen Bibelstellen zu den dunklen vorarbeiten. Will sagen: Die wichtigste Botschaft der Bibel ist kinderleicht zu verstehen. Nämlich dass Gott uns liebt und sich danach sehnt, dass wir ihn auch lieben und dann auch unsere Mitmenschen. Wenn wir das lange genug gelebt haben, dann können wir uns auch mit komplizierteren Bibelstellen befassen. Schon der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass wir nicht alles verstehen. Und einer der klügsten Menschen auf der Welt, Sokrates, hat es auf den Punkt gebracht: Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Der hochintelligente König Salomo hatte diese Einsicht schon knapp 500 Jahre vorher. Deshalb machte er Gott keine Vorschriften, sondern betete ihn an. Und was tut Gott? Obwohl er allmächtig ist, lässt er sich von einem winzigen Menschen ansprechen und sogar bitten. Es ist eben nicht nur Gottes Größe unfassbar, sondern auch seine Liebe.

Das ist der zweite Gedanke. Auch Gottes Liebe ist unfassbar.

Salomos Gebetsfrage „Sollte Gott auf Erden wohnen?“ hat Jahwe mit Ja beantwortet. Er hat aus dem Irrealis Realität werden lassen: indem der ewige Gott Jesus Christus Mensch wurde. Weihnachten ist das Pendant zu Christi  Himmelfahrt. Der allmächtige Gott macht sich ohnmächtig als Baby in der Krippe und als Verurteilter am Kreuz. Und das alles aus Liebe zu uns.

Es ist nicht zu fassen, dass der unfassbare Gott sich klein macht, damit wir ihn anfassen und erfassen können. Gott wird der eine konkrete Mensch Jesus von Nazareth. Gott wurde nicht Menschheit, sondern Mensch. Denn mit dem einen Menschen Jesus können wir reden, mit der Menschheit kann keiner reden. Ein Sprichwort kann das auch räumlich ausdrücken: Überall ist nirgends. Eine unpersönliche Lehre über die Liebe Gottes könnte unser Herz nicht erreichen (erwärmen), aber die persönliche Liebe des Menschen und Gottes Jesus Christus kann auch die kältesten Herzen erreichen und umwandeln. Und da kommt Christi Himmelfahrt ins Spiel. Man könnte sagen: Himmelfahrt ist die Bedienungsanleitung für das Christfest. Denn spätestens zu Himmelfahrt merken wir, dass dieses Jesusbaby der allmächtige Gott ist. Himmelfahrt ist keine Ortsveränderung von Jesus, sondern eine Funktionsveränderung. Er nimmt nun wieder seine göttliche Allmacht wahr. Aber es ist bei Jesus wie bei dem Chef eines Technikkonzerns, der seine Kindheit im Arbeiterviertel nicht vergessen hat und deshalb auch als Chef die Nöte der „kleinen“ Leute kennt. Jeden Morgen grüßt er die Putzfrau mit Handschlag. Bei seiner Himmelfahrt hat Jesus seine menschliche Individualität und Konkretheit nicht abgestreift wie die Schlange ihre Haut, sondern mitgenommen und einbezogen in seine Göttlichkeit. Der historische Mensch Jesus von Nazareth kann als allgegenwärtiger Gott allen Menschen auf der Welt je persönlich und individuell nahe sein. In den Tagen vor seiner Himmelfahrt war Jesus allen Menschen, die hier wohnen, fern, genau gesagt 3.960 km laut Google Maps. Nun aber ist er uns näher als unser Gewand, sagt Luther.

Die 2.000 Jahre Christentum sind voll von Erlebnissen, wo Menschen die persönliche Nähe und Hinwendung von Jesus erfahren haben. Öffentlich sichtbar wird das z.B. durch die Erwachsenen, die sich nach dem Besuch eines Glaubenskurses taufen lassen. Gott ist kein Gedanke, sondern drei liebende Personen. Christlicher Glaube ist noch nicht, dass ich glaube, dass es Gott gibt, oder dass ich einen theologischen Satz für wahr halte.

Glaube ist existenziell. Das zeigt schon Salomo mit dem Wort „heute“ in seinem Gebet: Wende dich aber zum Gebet deines Knechts und zu seinem Flehen, HERR, mein Gott, damit du hörst das Flehen und Gebet deines Knechts heute vor dir. (8,28)

Christlicher Glaube ist meine persönliche Liebesbeziehung zu dem lebendigen Gott Jesus Christus in der Einheit mit Jahwe und dem Heiligen Geist.

Deswegen ist auch das menschliche Herz der Tempel von Jesus. Paulus schreibt den Christen: Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist. (1Kor 6,19)

König Salomo hatte damals den Tempel gebaut, um dort mit Gott dem Vater reden und ihn erleben zu können. Die 4 Tempel, in denen Gott der Sohn Jesus Christus im Heiligen Geist wohnt, möchte ich aufzählen:

1. Der erste Tempel ist das Herz des Christen. Das sagte ich ja schon. Paulus sagt dazu auch: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.  (Gal 2,20)

2. Der 2. Tempel Jesu Christi ist die Gemeinde. Jesus sagt: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18,20) Ich hatte ja schon einmal von Paulus erzählt. Als er vor Damaskus Jesus zum ersten Mal begegnet, sagt Jesus zu ihm: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Paulus hatte Jesus dadurch verfolgt, dass er die christliche Gemeinde verfolgt hatte. Später schreibt Paulus den Christen: Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied. (1Kor 12,27)

Zur Gemeinde gehören auch die Hauskreise. Ein junger Mann, der vor 2 Monaten Christ geworden war, besuchte einen alten Mann, der früher in der Gemeinde Kirchenvorsteher gewesen war. Und er fragte ihn, ob es unbedingt nötig sei, in einen Hauskreis zu gehen, wo die Bibel gelesen und gebetet wird. Es war Januar und sie saßen am Kamin. Ohne ein Wort zu sagen, nahm der Alte mit der Zange ein glühendes Holzscheit aus dem Feuer und legte es auf das Gitter vorm Kamin. Nach einigen Sekunden wurde es schwarz. Dann legte es der alte Mann wieder zurück zu den anderen glühenden Holzscheiten – und es wurde wieder glutrot. Wir brauchen die Gemeinschaft der Heiligen, um für Jesus zu brennen. Damit unsere Liebe zu Jesus nicht erkaltet. Ebenso dienen die geistlichen Gemeinschaften wie eure Kommunität als Tempel Christi. Die Gemeinde ist also der 2. Tempel Jesu Christi.

3. Der 3. Tempel ist die weltweite Kirche. Jesus spricht: Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Jesus ist bei seinen Jüngern überall auf der Welt. Egal, wohin es mich verschlagen sollte, ich kann Jesus treffen, wenn ich in eine Gemeinde von Jesusanbetern gehe. Deswegen ist es wichtig, wenn ich umziehe, dass ich auch eine neue Gemeinde beziehe. Und wenn eure Kinder aus dem Haus gehen, dann betet und wirkt mit, dass sie eine neue geistliche Heimat finden.

4. Der 4. Tempel sind Wort und Sakrament.* Was Jesus mir sagen will, erfahre ich aus der Bibel. Man kann nicht Christ werden, sein und bleiben ohne Bibellesen. Sonst stirbt man geistlich. Jesus sagt ja: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes geht. (Mt 4,7) und Gottes Wort sind nicht Visionen oder Gefühle, sondern es steht in der Bibel.

Dass Jesus mich als sein Kind annimmt, passiert bei der Taufe. Dass er mir meine Sünden trotzdem vergibt, geschieht in der Beichte. Und beim HAM (Heilige Abendmahl) gibt er mir Wegzehrung für den Alltag in seiner Nachfolge. Ja, da wohnt Jesus Christus nicht nur auf Eden, sondern in den Elementen Brot und Wein. Wir Lutheraner beziehen uns da ausdrücklich auf den gen Himmel gefahrenen Auferstehungsleib Jesu Christi. So, wie er anfassbar war und doch durch verschlossene Türen ging, so kann Jesus Christus in, mit und unter Brot und Wein gegenwärtig sein, ohne den Himmel verlassen zu müssen. Es ist wahr, dass das Begrenzte nicht das Unendliche annehmen kann. Aber es ist wahr, es ist die Wahrheit, die Jesus Christus heißt, dass der Unendliche die Endlichkeit annahm. Das Wort wurde Fleisch. Gott wurde Mensch. (infinitum capax finiti!) Das feiern wir bei jedem HAM. Ohne das HAM droht die Liebe eines Menschen zu Jesus Christus zu verhungern.

Liebe Gemeinde!

Es ist unfassbar: Der allmächtige Gott lässt sich in Jesus anfassen. Gebe Gott, dass wir die 4 Tempel Jesu aufsuchen, erkunden und immer mehr für uns entdecken. Damit wir die unfassbar große Liebe Jesu Christi zu fassen bekommen. Damit wir in Liebe zu unserem dreieinigen Gott leben können und dadurch auch in Liebe zu unserem Nächsten. Und das wünsche ich uns allen.                

Amen