Buchbesprechung

Mark Laaser: Mann unter Feuer
Mark Laaser: Mann unter Feuer

Mark Laaser:

Mann unter Feuer.

Liebe, Sex, Sehnsucht, Sucht.

Brunnen-Verlag 2009
 

Ob Mark Laaser sich das jemals hätte träumen lassen? Als junger Pastor und Seelsorger, der sich in Ehe- und Familienfragen profilierte, in Radio- und Fernsehinterviews beredt Auskunft über geistliche Themen gab, hatte er bereits ein verlogenes Doppelleben geführt, in dem er mit Rat suchenden Frauen seine eigene Frau betrog. Es war ein Alptraum – und eine handfeste Sexsucht. Damals deutete nichts darauf hin, dass er einmal von der Sexsucht geheilt und ehrlich Bericht über seine Krankheit erstatten würde.
Die 319 Seiten von Laaser mit dem Titel Mann unter Feuer bieten weit mehr als den persönlichen Bericht und die allgemeinen Informationen, die auf dem Titel mit der feurig-roten Chilischote angekündigt werden. Wissenschaftlich kompetent und theologisch scharfsichtig erklärt er das Phänomen Sexsucht, ihre Entstehung und Wege zur Heilung. Das Buch gliedert sich in vier Teile: 1. Was ist Sexsucht? 2. Die Ursachen von Sexsucht, 3. Die von Sexsucht geschlagenen Wunden heilen und 4. Heilung für die Wunden der Kirche. Im letzten Abschnitt geht es Laaser um die Heilung von sexsüchtigen Geistlichen und um Gemeinden, die ­sexuellen Missbrauch durch ihre Hirten erlebt haben.
Laaser geht davon aus, dass Süchte vor allem dazu dienen, ungewollten Gefühlen auszuweichen oder Schmerz zu betäuben. Oft sind dies Einsamkeit, Stress, Langeweile oder Druck oder eine ungestillte Sehnsucht nach Liebe, Berührung und Zuwendung. Die Überwindung dieser Empfindungen sucht der Süchtige im Sex. Doch – und dies ist die große Stärke des Buches – Laaser bleibt auch hier nicht bei der bloßen Feststellung, sondern entflechtet einen Knoten von ungünstigen familiären Merkmalen und Mechanismen, die die Anfälligkeit für eine Sucht vergrößern. So werden Fäden sichtbar, die nicht nur der Sexsüchtige, sondern jeder aus der eigenen Familie wiedererkennen kann. Grenzen, Regeln und Rollen beschreibt er ausführlich und zeigt auf, wie ungesunde Strukturen in einer Familie entstehen und sich verfestigen können.
Allein dieses Kapitel schon rechtfertigt den Kauf – nicht nur für Betroffene, Seelsorger oder Pastoren. ­Jeder (Mann oder Frau) wird durch die Lektüre Reaktions- und Verhaltensmuster eines Sexsüchtigen, aber auch sich selbst besser verstehen lernen.
 
Jeppe Rasmussen, Reichelsheim

Von

  • Jeppe Rasmussen

    Dipl.-Journalist, leitet seit 2017 das Deutsche Instituts für Jugend und Gesellschaft. Verheiratet mit Rahel, Vater von vier Kindern.

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