(Freitag)morgens um 7 Uhr

von Matthias Casties

Es ist Freitagmorgen um 7 Uhr und unter dem Läuten der Glocke füllen sich die Plätze in der Michaelskapelle auf Schloss Reichenberg. Alte, Junge, Kommunitäre, Mitlebende und Gäste kommen zusammen, um miteinander Abendmahl zu feiern. Die gotische Kapelle mit ihren Buntglasfenstern, Ikonen und Symbolen lädt ein, in dieser Zeit den Alltag hinter sich zu lassen und lädt ein, sich zu erinnern und neu zu verorten in dem, was wirklich zählt.

Durch ihre liturgische Form bietet die Abendmahlsfeier wenig Überraschendes, doch nimmt sie in die große Tiefe und Weite des Glaubens und der Nachfolge hinein. Im ersten Lied „Morgenglanz der Ewigkeit – Licht vom unerschaffnen Lichte“ singen wir uns die Verheißungen der himmlischen Welt zu. Im Gebeterinnern wir uns daran, dass wir alle Kinder des einen Vaters sind und öffnen uns in einem Antiphon für das Wirken des Heiligen Geistes. Ein kurzer Impuls des Liturgen gibt einen Leitgedanken zum Wochenspruch der kommenden Woche.  Dann folgt eine Zeit der Stille. In ihr bereitet sich jeder vor auf das Beichtgebet. Beichten, be-ich-ten, mich ins Licht der Wahrheit stellen, wie sie ist, nicht wie ich sie gerne hätte, ins Licht treten, weil Jesus im Licht ist. Hier üben wir, Trennendes aufrichtig zu bekennen, bejahen wir, selbst am Ziel vorbeigelebt zu haben. Ehrlichkeit vor Jesus ist der Anfang allen neuen Miteinanders, ist der Beginn von Gemeinschaft (1 Joh 1,7f). Die Worte des Liturgen eröffnen den Raum: „Herr, unser Gott, wir bekennen Dir, dass wir gelebt haben, ohne Dich so zu lieben, wie Du es verdienst…“ und ich weiß, welche unguten Früchte daraus in der zurückliegenden Woche hervorgegangen sind. All dies nicht schönreden, sondern am Kreuz ablegen. „Wenn wir unsere Sünde bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er unsere Sünden vergibt und uns von aller Schuld reinigt“. Der Liturg fragt weiter: „Bekennst du deine Schuld und bittest du um Vergebung, so sprich: Ja“. Die Gemeinde antwortet und hört Gottes Zuspruch auf unser Bekenntnis: „Der allmächtige Gott erbarmt sich deiner – nach dem Auftrag und der Verheißung unseres Herrn Jesus Christus, verkündige ich dir die Vergebung deiner Sünden“. Wir empfangen das Wunder seiner Gnade, seine unverdiente Vergebung. Erleichtert richten wir uns im nächsten Lied auf Christus hin aus „Du Licht vom Lichte“. Wir erinnern uns an den neuen Bund in seinem Blut „tut dies zu meinem Gedächtnis“, feiern all das Gute, was er für uns getan hat und beten für die Welt, die an so viel Gegeneinander leidet. Der Friedensgruß als Zeichen der Versöhnungsbereitschaft teilen wir mit unserem Nächsten, auch gerade mit dem, der uns diese Woche Mühe gemacht hat: „Friede sei mit dir“.

Die Michaelskapelle hat eine besondere Architektur. Geht man zur Austeilung in den  Altarraum, so geht es eine Stufe hinunter. Es geht buchstäblich ein Stück tiefer. Die Feiergemeinde bildet einen Kreis um den runden Altar. Jesus ist hier der Einladende, die Entfernung zu ihm ist für jeden im Altarraum gleich. „Nehmt und esst vom Brot des Lebens“ leitet der Liturg diesen Teil der Abendmahlsfeier ein. „Brot des Lebens“, dann der „Kelch des Heils“ gehen vom Liturg aus durch den Kreis. „Christi Leib für dich gegeben“, „Christi Blut, für dich vergossen“. Jeder im Kreis gibt und empfängt, erinnert und wird durch den Bruder oder die Schwester an seiner Seite daran erinnert, wie kostbar und gewürdigt jeder in dieser Runde ist. So ist Abendmahl feiern ein immer neues Wahrnehmen und Vergegenwärtigen von Gottes Realitäten mit allen Sinnen. Wir feiern die Gegenwart unseres Herrn in unserer Mitte. Auf diesem Fundament stehen wir als Gemeinschaft, als Leib Christi. Während der Austeilung erfüllen Gesänge den Raum, die Lampen der Kapelle zeichnen mit ihrem Licht Engel an die Wände und zeugen von der unsichtbaren Welt, mit der zusammen wir feiern. Nach einem Zuspruch aus der Heiligen Schrift geht es vom Altarraum wieder einen Schritt hinauf, zurück in Raum und Zeit, jeder an seinen Platz. Dann endet die Feier mit dem Segen. Neu gestärkt an Leib, Seele und Geist, beschenkt von Wort und Sakrament sind wir gut gerüstet für den Alltag, der uns am Ausgang der Kapelle bereits erwartet.

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