Teamgeist in der oberen Burg

Die Wahrheit liegt in der Mitte

Wie der Geist den Teamgeist weckt

Konzentrierte Stille hat sich im Raum aus­gebreitet. Einige Männer und Frauen stehen im Kreis, halten je zwei Seile in der Hand und schauen aufmerksam in die Mitte. Denn an den Seilen hängt ein Holzkran, den sie gemeinsam bewegen wollen. Zentimeterweise bringen sie den Haken daran in die richtige Position, um Holzklötze übereinanderzustapeln. „Langsam!“, flüstert jemand. „Noch ein bisschen in Richtung Nico!“, jemand anderes. „Moment, ich gehe etwas mehr in die Hocke“, wirft eine Frau ein. Atem anhalten, den Blick nicht abwenden, das eigene Seil fest in der Hand – bis wieder ein Klotz sicher oben drauf platziert wurde. Hörbar und sichtbar dann die allgemeine Entspannung und Freude!

Voller Erwartung …

Wenn sich Teamgeist entfaltet, kann man das sehen und hören! Er zeigt sich in Verhaltensweisen, die einem selbst und den anderen gut tun. Freude und Begeisterung erfasst das Team, Motivation, auftretende Schwierigkeiten anzugehen. Man wird erfinderisch, schöpferisch kreativ. In dieser Atmosphäre können neue Ideen und Lösungen entstehen. Die Einzelnen geben ihren Beitrag gerne in die Mitte. Das gemeinsame Ergebnis weckt Zufriedenheit und Dankbarkeit. Und dann wird gefeiert!

Ganz so wie ganz am Anfang: Der Schöpfergott mit seinem Schöpfergeist schaute sich am sechsten Tag sein Werk an und fand, es sei wunderbar gelungen! Und dann wurde gefeiert und geruht am siebten Tag.

Es ist dieser Schöpfergeist, der jedes Team inspirieren will, ihm Rückenwind und neuen Atem schenken und möglich machen, was unter Menschenkindern möglich ist: Das gemeinsame Werk in Einmütigkeit und Verbundenheit verrichten.

Doch dann kam die große Zerstörung, von der im dritten Kapitel der Bibel erzählt wird.

In der OJC-Gemeinschaft sind wir uns der Kräfte der Zerstörung, die in unserem gemeinsamen Leben an uns zerren, bewusst. Es braucht große Wachsamkeit, ihnen nicht zu verfallen. In unserer Lebensregel haben wir sie deshalb benannt und beschrieben: der Geist der Missgunst, der fordernde Geist, der Geist der Lüge, der Geist der Gekränktheit oder der der Gleichgültigkeit. Wir sind nicht verschont geblieben, leben nicht auf einer Insel der Seligen, erleiden die Folgen immer wieder schmerzhaft. Aber inmitten dieser Wirklichkeit haben sich uns Wege eröffnet, wie wir vom Schöpfergeist zurück ins Licht geholt werden, aus seinem Heil und seiner Versöhnung die Beziehungen untereinander klären und erhalten können. Jeden Mittag beten wir gemeinsam: „Heiliger Geist, der du Frieden stiftest in uns und zwischen uns, richte unsere Gedanken auf dich und erfülle unsere Gebete mit deiner Kraft.“

… wie der Schöpfergeist

Diese Erfahrungen und Einsichten sind der Nährboden für alle Programme, zu denen wir im Erfahrungsfeld auf Schloss Reichenberg seit neun Jahren einladen. Ob „Miteinander unterwegs“ oder „Glauben & Leben“, wir möchten einen Beitrag leisten, dass das menschliche Miteinander belebt, gestärkt und geklärt wird: In Schulklassen den Sinn für Fairness entwickeln. Bei Betriebsausflügen den Teamgeist neu entfachen. Mit Kirchenvorständen üben, achtsam aufeinander und auf Gott zu hören. Gemeindegruppen einen Raum bieten, in dem sie überraschende Entdeckungen damit machen, wer einen Lösungsvorschlag einbringt. Konfirmanden dazu einladen, aus der Deckung der Unsicherheit herauszutreten und vertrauter miteinander zu werden.

Jede Begegnung ist für uns Mitarbeiter ein Gottesdienst. Wir handeln im Sinne des Schöpfergeistes, der Menschen miteinander und mit Gott versöhnen möchte. Ob wir über Gott sprechen können oder nicht, ob den Menschen, die kommen, eine Beziehung mit Gott fremd ist oder nicht. Er stellt seine versöhnende Kraft zur Verfügung. Nicht Abbruch, sondern gemeinsam neu anfangen und konkrete Schritte aufeinander zugehen. 

… den Gruppen seinen Teamgeist einhauchen wird!

Als Menschen sind wir geschaffen mit Leib, Seele und Geist. Im Erfahrungsfeld darf man deshalb Balance austesten, Blindheit wagen, Puzzle und Brücken bauen, Einigungsprozesse einüben, Fragen stellen, Steine schleppen, Wasser schöpfen, Geschichten hören – und Worte dafür finden, wie diese Bilder das gemeinsame Leben bereichern. Bunt und vielfältig, bewegt oder konzentriert, alleine oder gemeinsam.

Seit September 2017 steht uns der ganze Krumme Bau von Schloss Reichenberg für Aktivitäten im Erfahrungsfeld zur Verfügung. Ein großer Zugewinn und ein großer Dankpunkt für unsere Gemeinschaft! Wir sind dabei, unser Spektrum zu erweitern, Veranstaltungen und Seminartage auch in der kalten Jahreszeit durchzuführen. Mit Freude nutzen wir den schönen oberen Saal und sind voller Erwartung, wie der Schöpfergeist den Gruppen seinen Teamgeist einhauchen wird!

Von

  • Ute Paul

    Pädagogin und pädagogische Leiterin des ­Erfahrungsfeldes „Wege zum Leben“ auf Schloss Reichenberg.

    Alle Artikel von Ute Paul

Das Salzkorn im Abonnement

Jede Ausgabe dieser Zeitschrift können Sie kostenfrei bestellen »

Auch künftige Ausgaben vom Salzkorn (erscheint vier Mal im Jahr) senden wir Ihnen gerne zu. Hier können Sie das Salzkorn abonnieren »

Unsere Veröffentlichungen unterstützen

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, christliche Werte und eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Strömungen der Zeit auf der Grundlage des Evangeliums an nachfolgende Generationen zu vermitteln.

So können Sie spenden:

» Bankverbindung
» Spendenformular
» PayPal