Raus aus der Komfortzone

Ein kleines OJC-Team war nach Chrischona bei Basel zur „Tafelrunde“ geladen, einem Treffen von Schweizer Gemeinschaften, die sich in der 24-7 Gebets- und Missionsbewegung engagieren. Unter den vielen Neugründungen galten unsere Gastgeber, das vor gut sechs Jahren gegründete „Kloster Alte Gärtnerei“ in Steffisburg, als bereits bewährt; wir mit unserer 68er Patina hingegen schon als vorsintflutlich. Bei der Suche nach einem geistlichen Rhythmus, der dem Leben Gestalt und Tiefe verleiht, konnten wir aus unserer Erfahrung mit dem „Kreuz der Wirklichkeit“ berichten, in dem wir um ein Ebenmaß zwischen Aktion und Kontemplation, zwischen Konspira­tion und Rekreation ringen. Wir wurden von den Gefährten, deren Herz für die Erneuerung von Menschen, Kirche und Gesellschaft brennt und die sich dem Gebet als Lebensform verschrieben haben, neu inspiriert. Im urigen, aus Holz gezimmerten Eben-Ezer Versammlungssaal, in dem schon viele Generationen von Chrischona-Absolventen gebetet und Gottes Namen über das Land ausgerufen haben, fiel es allen leicht, sich im Strom von Lobpreis und Fürbitte einzufinden.

Die 24-7-Bewegung ist in England entstanden, und seit 1999 beten Zehntausende nonstop in und für Europa. Der Aufbruch weckt Sehnsucht: Sehnsucht nach Gebet, dem Eingreifen und Wirken Gottes, mit dem wir rechnen dürfen. „Ohne Gebet wird es keine Erneuerung der Kirche geben“, so Justin Welby, Erzbischof von Canterbury, „und ohne Erneuerung der Kirche gibt es wenig Hoffnung für die Welt“. Emblematisch für die ­Bewegung wurde Pete Greigs Die Vision von „Boiler Rooms“, den ersten alternativen Gebets­räumen. Ein feuriges Manifest der Sehnsucht seiner Generation nach der wirksamen Verkündigung des Evangeliums in Wort, Tat und Lobpreis. Mich führt Die Vision an die wilden Grenzen des Glaubens, sät Übermut, weckt Staunen und Verlangen nach Gottes Gegenwart, zieht mich aus den Gewohnheiten des Alltags und fordert mich heraus, gegen Unrecht, Lüge und Trägheit aufzustehen. Raus aus der Komfort­zone, mehr riskieren und größer von Gott denken! Christus ruft uns in ein priesterliches Leben und weckt unsere Leidenschaft für den Kampf um die Verlorenen dieser Welt.

Die Vision

Da kommt doch dieser Typ zu mir und fragt: „Was ist die Vision? Worum soll es gehen?“ Ich mache meinen Mund auf und höre folgende Worte: Die Vision? Die Vision ist JESUS – der gefährliche, unverwechselbare Jesus. Der Jesus, der dich total in Beschlag nimmt. Die ­Vision ist eine Armee von jungen Leuten. Du siehst Totengebeine? Ich sehe eine Armee. Und sie sind FREI vom Materialismus. Sie lachen über die kleinen 9-5 Uhr-Gefängnisse. Sie können Kaviar am Montag essen und Brotrinde am Dienstag. Sie würden noch nicht mal den Unterschied merken. Sie sind mobil wie der Wind und gehören den Nationen. Sie brauchen keinen Pass. Die Leute schreiben ihre Adressen nur noch mit dem Bleistift auf und fragen sich, was für merkwür­dige Typen sind das bloß. Sie sind frei, und doch die Sklaven der Verwundeten, Dreckigen, Sterbenden.

Was ist die Vision? Die Vision ist Heiligkeit, Heiligkeit, die den Augen weh tut. Sie bringt Kinder zum Lachen und ärgert die Erwachsenen. Es geht um Leute, die das Spiel aufgegeben haben, nach außen hin eine weiße Weste zu haben, um Eindruck zu schinden, um Leute die nach den Sternen greifen. Für sie ist das Gute nicht gut genug, sie strecken sich nur nach dem Besten aus. Geradezu gefährlich reine Leute. Sie brauchen ihre geheimen Motive nicht zu verstecken, und auch nicht ihre privaten Gespräche. Es sind Leute, die andere von ihren selbstmörderischen Abenteuern weglieben, weg von ihren satanischen Spielen. Es geht um eine Armee, die ihr Leben für die große Sache lassen wird. Eine Million mal pro Tag sind ihre Soldaten bereit, eine Niederlage einzustecken, um eines großen Tages den entscheidenden Sieg zu erringen und zu hören: „Gut gemacht, ihr treuen Söhne und Töchter.“

Diese Helden sind am Montagmorgen genauso radikal wie am Sonntagabend. Sie haben es nicht nötig, sich einen großen Namen zu machen, ihre eigene Ehre zu suchen. Darüber können sie nur müde lächeln. Es geht nicht um einzelne Stars, sondern um die große Masse, die immer wieder denselben Kriegsschrei auf den Lippen hat: „Vorwärts, COME ON!“

Und sie sind diszipliniert. Jünger, junge Leute, die ihren Körper zum Gehorsam zwingen. Jeder Soldat bereit, für seinen Kriegskameraden eine Kugel abzufangen. Das Tattoo auf ihrem Rücken sagt: „Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn.“ Opferbereitschaft lässt das Feuer des Sieges in ihren Augen brennen. Sie schauen nicht nach unten, sondern nach oben: Sieger, Märtyrer. Wer kann sie aufhalten? Können Hormone sie zurückhalten? Können Niederlagen sie entmutigen? Kann Furcht ihnen Angst einjagen, kann der Tod sie umbringen?

Und wie sie beten! Wie Sterbende mit einem Stöhnen, das keine Worte findet, mit Kriegsschreien, salzigen Tränen und mit lautem Lachen! Sie sind bereit, jeden Preis zu bezahlen um das Ziel zu erreichen. Sie brechen die Regeln. Sie kommen heraus aus der Mittelmässigkeit ihres kleinen, gemütlichen Verstecks. Sie geben ihre Rechte auf, ihre ach so geliebten kleinen Fehler, sie lachen über Etiketten, geben selbst scheinbar Unaufgebbares auf. Die Werbebranche kann sie nicht beinflussen, Hollywood kann sie nicht faszinieren. Selbst Gruppendruck hat keine Kraft, ihre einmal gefällten Entscheidungen in Mitternachtsparties zu verleugnen, bevor der Hahn kräht. Sie sind unglaublich cool und innerlich gefährlich attraktiv.

Und äußerlich? Das kümmert sie kaum. Ihre Kleidung ist eine Botschaft, sie tragen sie um zu feiern, nicht, um sich zu verstecken. Würden sie ihr Image oder ihre Beliebtheit aufgeben? Sie sind bereit, selbst ihr eigenes Leben niederzulegen, mit den Todeskandidaten – schuldig wie die Hölle selbst – den Platz zu tauschen. Der elektrische Stuhl statt eines Thrones.

Mit Blut, Schweiß und Tränen, in vielen schlaflosen Nächten und an fruchtlosen Tagen beten sie, als ob alles von Gott abhängt, und sie leben, als ob alles von ihnen abhängt. Ihr genetischer Code ist JESUS. Er atmet aus – sie atmen es ein. Bei ihnen singt selbst das Unterbewusstsein. Sie hatten eine Bluttransfusion von Jesus. Ihre Worte bringen die Dämonen in den Einkaufszentren zum Schreien. Hörst du diese Armee kommen? Blast die Posaune für die Verrückten! Ruft sie zusammen, die Verlierer und Freaks. Hier kommen sie, die Ängstlichen und Abgelehnten mit Feuer in ihren Augen. Sie laufen aufrecht, und die Bäume klatschen Beifall, die Hochhäuser verbeugen sich, die Berge erscheinen klein, verglichen mit diesen Kindern einer anderen Dimension. Ihre Gebete mobilisieren den Himmel und wecken den alten Traum von Eden wieder auf.

Und diese Vision wird wahr werden, sie wird ­erfüllt werden. Sie wird mit Leichtigkeit geschehen, und zwar bald. Woher weiß ich das? Weil es das Sehnen der ganzen Schöpfung ist, das Stöhnen des Geistes, der Urtraum Gottes. Mein Morgen ist sein Heute. Meine kleine Hoffnung ist Teil seiner unend­lichen Schöpfung. Und mein ­winziges, geflüstertes, glaubensloses Gebet bekommt ein donnerndes und entschlossenes AMEN, das Mark und Bein erschüttert, aus dem Mund zahlloser Engel, von den Helden des Glaubens, und von Jesus selbst, IHM, dem Träumer des ersten Traums, dem letzten Sieger. Garantiert!

Von

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