Gründer bleibt Gründer

Wir gratulieren zum 90. Geburtstag

Horst-Klaus Hofmann, unser Gründer und langjähriger Leiter, vollendet am 20. ­November sein 90. Lebensjahr. Einen Tag später werden wir mit einigen seiner Freunde diesen besonderen Anlass auf Schloss Reichenberg feiern – von Herzen dankbar für die Segensspur seines langen Lebens und die Früchte, die aus dem Aufbruch von ’68 gewachsen sind. Das Charisma des Anfangs ist das Wasserzeichen jeder Gemeinschaft. Oder wie der Jubilar zu sagen pflegt: Jedes Fass riecht nach dem ersten Guss.

„Denken, Danken, Dienen“, so hat er 12 Jahre später seinen Rückblick auf das Entstehen der Gemeinschaft überschrieben. Auf seiner Agenda hat „Gemeinschaftsbildung“ definitiv nicht gestan­den, aber offensichtlich auf der Agenda des Heiligen Geistes. Als eines Tages zwei junge Frauen – entzündet auf einer OJC-Tagung vom revolutionären Christsein – vor der Hofmannschen Haustür stan­den und wissen wollten, wie denn nun die dazugehörige Praxis im Alltag aussähe, veränderte sich das Leben der Hofmanns radikal.

Die Praxis-Frage forderte eine Entscheidung: nicht „Akademie“, sondern „Kolonie“! Bewegt von Bonhoeffers Leitgedanken: Die letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern wie eine kommende Generation weiterleben und glaubwürdig mit der Hoffnungsbotschaft des Evangeliums erreicht werden kann, wagten sie das Experiment „gemeinsames Leben“. Nicht ohne Kosten.

Die „Jahresmannschaft“ gehört bis heute zum Kernauftrag unseres kommunitären Zusammenlebens. Mit jungen Erwachsenen unterwegs sein, heißt Lerngemeinschaft sein; bereit, sich prägen zu lassen vom Evangelium und umzudenken: ... sich nicht gleichförmig machen mit dem Schema der Welt (Röm 12,2). Christen sind ihrer Identität nach Querdenker, sie folgen dem Schema eines anderen. Das hat Horst-Klaus uns vorgemacht, ohne Furcht vor Gegenwind. Als Hausvater mit wei­tem Horizont holte er Lebenshaltiges aus ­seiner ­Schatzkiste hervor, auch Merksätze wie Sei ganz ­Sein oder lass es ganz sein! und Kernworte im päda­gogischen Gleichklang (drei „d“, drei „V“ etc.), die so leichter in Ohr und Herz gehen. Er wusste selbstverständlich, dass geistliche Qualitäten nicht vom Himmel fallen. Das beste Einübungsfeld ist der Alltag:  ohne Versöhnung, Vertrauen und Verantwortungsübernahme ist Gemeinschaft nicht denkbar; nicht nur im Kleinen, auch im Großen sind diese Befähigungen notwendiger „Kleber“ des Miteinanders. Damit aus der biblischen Lehre geist­liches Leben wird, braucht es Demut. Wo die Erdung gelingt, hat das Miteinander Ausstrahlung und An­ziehungskraft.

Hätten Horst-Klaus und Irmela Hofmann in den 60ern nicht die Sorge um die nächste Generation auf ihr Herz genommen und mit ihrem Lebenseinsatz dafür gebürgt, hätten viele nie die Freude der Befreiung, der Hoffnung und das Abenteuer der Nachfolge erlebt und andere damit angesteckt. 

Wir sind 50 geworden. Der Geist des Anfangs lebt in uns und unter uns. „Form und Farbe“ haben sich verändert und müssen sich verändern, um dem Charisma treu zu bleiben.

Bas Leenman, holländischer Freund, fand am Ende von Horsts Leiterschaft Worte mit Ewigkeitswert: „Du hast das wunderbare ‚Dorf OJC‘ gestiftet, von dem du immer der Stifter bleibst, auch in den Anna­len des Himmels. Der Stifter bleibt der Stifter.“

Von

  • Angela Ludwig

    Germanistin und Romanistin, Mitglied des OJC-Redaktionsteams und geistliche Begleiterin für viele innerhalb und außerhalb der OJC-Gemeinschaft.

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