Editorial

Alles, was in der Geschichte geschieht, wird von Gott für alle Ewigkeit
vorausgesehen, reguliert und angeordnet.

Roberto de Mattei, Historiker

Liebe Freunde,

wir Menschen brauchen Visionen, die locken, herausfordern und motivieren. Sie malen uns eine Zukunft vor Augen, die aller Mühe wert ist und für die wir kräftig anpacken. So eine Vision war die vom Erfahrungsfeld auf Schloss Reichenberg. Sie hat uns gepackt und wir haben es gewagt, das Gelände auf dem Reichenberg komplett umzugestalten. Nach zehn Jahren gleichen wir die Vision des Anfangs dankbar mit dem ab, was davon ins Leben gekommen ist.

ERfahre

Über das Leben und wie es sein sollte, lässt sich wunderbar debattieren. Dabei mag so mancher Geistesblitz unseren Horizont erhellen oder weiten. Was aber führt wirklich ins Leben? Was bewirkt Veränderung? Sind es nicht die lebendigen Erfahrungen – Begegnungen, Umstände, Eindrücke –, die uns ins Herz fallen und hinter die wir nicht mehr zurück können? Sie prägen sich uns ein und sie prägen uns. Ein pädagogischer Prägeort in diesem Sinne möchte das Erfahrungsfeld sein. Wir haben in den Berichten und Anregungen zusammengetragen, wie wir dieses Anliegen verfolgen und was sich dabei als hilfreich erwiesen hat. Lasst Euch inspirieren und probiert das eine oder andere ­selber aus (S. 23, Blatt zum Herauslösen).

Es gibt auf dem Burggelände einen Verliesturm, eng, dunkel und nur durch ein Loch an der Decke mit der Strickleiter zu verlassen. „Social distancing“ im bedrohlichsten Sinne des Wortes: Wer da als Schuldner saß, lernte auf die harte Tour, sich zu gedulden und auf die befreiende Ablösesumme zu hoffen. Zumindest hatte er Zeit, seine Prioritäten neu zu überdenken. Nicht unähnlich, wenn auch unter anderen Vorzeichen, geht es uns mit der unerwarteten und verunsichernden Erfahrung der Pandemie, die wir mit den Menschen auf der ganzen Welt teilen. In Deutschland fällt noch trotz der bedrohlichen Szenarien reichlich Licht in den Schacht, für Hilfe ist gut gesorgt.

Viele Freunde und Geschwister in anderen Ländern, an anderen Orten werden von der Krise ungleich schwerer gebeutelt und brauchen unsere Solidarität und Fürbitte. Am Herzen liegen uns unsere Freunde und Projektpartner, wie Albert Baliesima, der sich als Parlamentarier und Gesundheitsexperte im Kongo für die Eindämmung von Covid19 und Ebola einsetzt (S. 43). Und wir hoffen, dass auch der Friedens- und Versöhnungsprozess im Irak nicht ins Stocken gerät, für den die ojcos-stiftung seit vier Jahren mit großem Elan um Unterstützung in Deutschland und Europa wirbt (S. 40).

ERkenne

„Das Leiden macht die Menschen hellsichtig und die Welt durchsichtig“, schrieb der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse Viktor E. Frankl, der durch seine Erfahrungen im KZ gelernt hatte, angesichts von Leid nach Sinn Ausschau zu halten. Was lehrt uns die Pandemie? Ohne Zweifel stellt die Erfahrung der Zerbrechlichkeit die Sinnfrage neu: Was trägt? Vor allem aber stellt sie Sinnloses und Überflüssiges bloß: Gewohnheiten und Ansprüche, die unseren Blick und unser Herz verengen. Gewiss keinen Sinn hat es, Corona als „Ankündigung der Endzeit“ deuten zu wollen, als „Gericht“ oder als Inszenierung dunkler Hintergrundmächte. Wir müssen aushalten, vieles nicht zu wissen, auch nicht, welchen Plan Gott genau verfolgt. Entscheidend ist, wie wir aus der Zeit der Verunsicherung hervorgehen: „Das Leiden – auch die Schuld – hat einen Sinn, wenn du selbst ein anderer wirst.“ Es liegt an uns, ob diese Erfahrung zur Chance wird, im Vertrauen und in der Liebe, aber auch im Erkennen der Wahrheit über uns selbst.

ERlebe

Wir haben in den vergangenen Monaten erlebt, wie das Leben runtergefahren und einschneidende Maßnahmen hochgefahren wurden. Wie schnell kann uns die Sorge um das Leben von dem abschneiden, was Leben ausmacht: Nähe, Umarmung, Trost, Gemeinschaft. Umso dankbarer sind wir für alle Verbundenheit in dieser Zeit der Verunsicherung. Ihre Solidarität und Ihr Mittragen stärken uns und spornen uns an. Gerne bleiben wir mit unseren Freunden im Gespräch und in der Fürbitte verbunden und freuen uns, wenn Sie dieses Angebot wahrnehmen (s. unten).

ER

In und vor allen Imperativen im Salzkorn-Titel steht ein großes ER. Wenn wir nicht alles, was uns in diesem Leben widerfährt, in der Klammer dieses großen ER, des auferstandenen Christus sehen, dann ist im Grunde alles umsonst (1 Kor 15,14). Der italienische Historiker Roberto de Mattei schrieb: „Alles, was in der Geschichte geschieht, wird von Gott für alle Ewigkeit vorausgesehen, reguliert und angeordnet.“ In unsicheren Zeiten ändert diese Zusage zwar nicht die Umstände, aber uns: Sie macht unseren Blick frei und gibt uns Hoffnung und Kraft, der Krise zu begegnen.

Ansteckend leben

Die amtlich angeordnete Leere der Kirchen hat die sichtbare Gemeinde unsichtbar gemacht und in den häuslichen Bereich verbannt. Allerdings gibt es keine geistlich ansteckungsfreie Zone: Wenn wir unseren Glauben nicht ansteckend leben und verkündigen, dann werden die Kirchen auch nach Abklingen der Infektionswelle leer bleiben! Nichts ist so ansteckend wie das neue Leben aus Christus – das ist die Osterbotschaft zu Corona-Zeiten! Wir folgen dem Rhythmus des Kirchenjahres und tragen das Osterlicht und die Osterfreude weiter in die Welt. Nichts konnte die Ausbreitung der frohen Botschaft verhindern, und sie lässt sich auch heute nicht in Quarantäne stecken, nicht ­deckeln und drosseln. Sie geht von Mund zu Mund, erregt den ganzen Erdkreis und setzt die Herzen in Brand. Ansteckend glauben in ansteckenden Zeiten – das ist für mich der Imperativ dieser Zeit!

Tag der Offensive

Auf Himmelfahrt zu wollen wir uns erst recht nicht aufhalten lassen. Auch wenn wir unseren Freundestag, den Tag der Offensive, am 21. Mai nicht wie gewohnt begehen und dazu unsere Freunde einladen können, so sind wir doch in Christus verbunden. Wir bereiten einen OJC-Gottesdienst sowie Informationen aus der Gemeinschaft als Video vor. Das können Sie ab dem 21. Mai auf unserer Webseite anschauen:          

Es soll ein TDO light werden – nicht, weil wir die abgespeckte Variante fahren, sondern weil das Licht der Hoffnung und der himmlischen Leichtigkeit von dort auf uns herabstrahlt, wo Jesus den Blicken der Jünger entschwunden ist. Auf ihn wollen wir miteinander schauen.

Bleiben Sie behütet und seien Sie herzlich gegrüßt!
Ihr
Konstantin Mascher
Reichelsheim, den 30. April 2020

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