Zukunftsprojekt als Brennglas im Hier und Jetzt

Im Erfahrungsfeld-Team fand ich mich, Landschaftsgärtner und Landschaftsgestalter, und fanden wir uns als Familie im Brennpunkt verschiedener Strahlen des OJC-Lebens wieder. Da war das Schlossleben mit Gefährten, Kollegen und den Freiwilligen, die alle Jahre als neue Mannschaft mit großer Erwartung und Motivation mitanpackten, aber das Jahr auch nutzten, um eigenen Lebensfragen nachzugehen. Da war ein Bauteam, das sich schon viele Jahre der Sanierung und Instandhaltung von Schloss- und Burganlage annahm, und weiß Gott genug damit zu tun hatte. Und das sich formierende Erfahrungsfeldteam, das mit Aufbruchstimmung und eigener Dynamik für Wirbel und sicher auch für zusätzliche Belastung ­sorgte. Noch klang der Rhythmus der „alten“, intensiven Tagungsarbeit auf dem Schloss nach und musste der neuen Vision erst Raum machen.

Wir waren die erste Familie, die 2009 eigens für das Erfahrungsfeld gekommen war, aber noch in die ­„alte“ Schlossgemeinschaft zog. Es galt, sich in diesem Spannungsfeld, in den sich kreuzenden Strahlen des Auftrags, zurechtzufinden, sie im eigenen Erleben einzufangen und ihnen abzuspüren, was daraus Neues werden kann. Für mich hieß das, alles aufzunehmen, durch mich hindurch zu leiten und den richtigen Brennpunkt zu finden, bei dem die Ideen für das Erfahrungsfeld so zündeten, dass sie auch ins Leben fanden – eine faszinierende Aufgabe! Vieles war vorgegeben, anderes wiederum völlig offen: der künftige ­Charakter des Geländes und die der neuen Bestimmung dienende Tektonik und Bepflanzung. Ich fühlte, wie kreative, schöpferische Kräfte in mir frei wurden, um Neues in Zeit und Raum hinein zu gestalten, ja Zeit und Raum zu gestalten. Viel Erde haben wir bewegt, viele Pläne geschmiedet und nicht wenige auch umgesetzt. Allerdings ist unsere Familie 2013 von hier ins schöne Vorpommern zu unserem eigenen pädagogischen Projekt aufgebrochen, und vieles musste ohne mich, ohne uns weiter- und zu Ende geführt werden. Nach sechs Jahren habe ich am Ort meines einstigen Wirkens mit Staunen und Freude festgestellt, wie viel von dem gemeinsam Begonnenen Realität und wie wunderschön das Erfahrungsfeld geworden ist.

Aus diesem Brennglas unseres Berufungsweges habe ich die Erfahrung mitgenommen, dass man Spannung halten und Spannungen aushalten darf. Die Zusage, „Vertraue mir und wisse, dass ich Gott bin“ hat mich durch viele spannungsreiche Zeiten hindurchgeführt. Mitgenommen habe ich auch den Mut, anzuecken und nicht gleich aufzugeben, wenn Gegenwind kommt, aber auch getrost loszulassen und darauf zu vertrauen, dass nicht ich es sein muss, der alles zu Ende führt. Wir werden wohl niemals wieder in einem so multiprofessionellen und vor allem multicharakterellen Team mitleben und arbeiten. DANKE!

Robert W. ist Sozialarbeiter, biol.-techn. Assistent, Landschaftsgärtner und -architekt, er lebt mit seiner Familie in Vorpommern.

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