Götzen auf dem Prüfstand

Eine Checkliste in Zeiten der Pandemie

Alles – auch Corona – tut der Herr. Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der HERR hat es nicht getan? (Amos 3,6). Der Glaube derer, die Gott lieben und Jesus nachfolgen, zeigt sich darin, dass sie alles Geschehen unter dem Himmel aus der Hand Gottes nehmen (Hiob 1,21; 2,10): die bösen und die guten Taten der Menschen, die Verwirrungen und die Verdienste der Mächtigen, die Naturkatastrophen und Seuchen genauso wie die Segnungen der Ernte, die Liebe, den Verlust der Freunde und all das Gute und Schmerzhafte, das unser Leben prägt. Gott lädt uns ein, alles aus seiner Hand zu nehmen. Wer ihn liebt und ihm vertraut, für den wandelt er alles zum Besten (Röm 8,28). Dies gilt auch für unsere aktuelle Corona-Zeit.

Deute-Hoheit – auch über Covid-19 und seine Folgen – hat der HERR. Der HERR – unser GOTT selbst – ist Wahrheit. Somit ist seine Sicht auf all das, was in den letzten Monaten hier in Deutschland und weltweit passiert ist, der Maßstab für alle unsere Deutungen. Die Einschätzungen über das Virus und den Umgang der einzelnen Regierungen und Gesundheitsorganisationen damit gehen weit auseinander. Ein komplexes Geschehen in Medizin, Politik und Wirtschaft ereignet sich. Was ist die „wahre“ Sicht darauf? Deshalb sind wir aufgefordert, uns Fakten und verschiedenen Erkenntnissen zu stellen. Wir dürfen und müssen Covid-19 und die eigenen wie auch die gesellschaftlichen und politischen Reaktionen darauf kritisch und geistlich betrachten. Wahrheit macht frei (Joh 8,32). Und gleichzeitig brauchen wir Demut, unsere und die Erkenntnisse anderer als Stückwerk zu begreifen (1 Kor 13,9). Die Gnade der Erschütterung durch die Corona-Krise: Gott will uns retten von unseren „Götzen“ und unsere Überzeugungen auf den Prüfstand stellen. Eigentlich will Gott vor allem durch seine Güte Menschen zur Umkehr rufen (Röm 2,4). Aber manchmal entscheidet Gott, durch Erschütterungen auf sich aufmerksam zu machen. Er irritiert, entzieht uns den ­Boden, zeigt uns, dass wir Menschen sind, die von seiner Gnade abhängig sind. Ihm allein gebühren die Ehre und Anbetung. Er zeigt uns die Grenzen auf, wo wir unsere eigenen Maßstäbe gesetzt haben. Welchen Götzen laufen wir nach? Wo will Gott uns und die Welt zum Umdenken aufrufen?

Götze Gesundheit

Ein Virus dominiert die Welt und Gott will uns daran erinnern, dass wir Menschen sterblich sind – alle, ob Risikogruppe oder nicht (Ps 90,12). Es scheint, als ob ein globaler Schrecken vor diesem Virus auf die Regierungen gefallen sei, der die Verantwortlichen zu Maßnahmen motiviert, die die Welt noch nie gesehen hat. Die Einschätzungen über die Gefährlichkeit des Virus differieren. Die Konsequenzen jedoch für Wirtschaft, Gesellschaft, Beziehungen, Kultur, Religion, Bildung, Soziales u. v. m. sind gravierend und werden viele Menschen noch lange schmerzhaft beschäftigen. „Gesundheit ist das höchste Gut!“ Wirklich? Vielleicht sollten wir unsere Prioritäten neu überdenken. Es gibt auch andere ­„Güter“. Ich höre Jesus sagen: Wer ist aber unter euch, der seines Lebens Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? (Mt 6,27). Unser Leben und Sterben stehen ganz in Gottes Hand. Vertrauen wir ihm! Körperliche Gesundheit ist nicht die Haupt­sache. Jesus mahnt uns, Furcht zu haben vor denen, die unser Seelenheil angreifen und von Gott wegbringen können (Lk 12,4-5).

Prüfstand Lebensschutz

Das Argument für die Corona-Maßnahmen lautete immer auch Schutz des Lebens. Ja, jedes Leben ist kostbar, ob alt oder jung. Medizinisches Personal sollte verschont werden vor der schweren Aufgabe der Triage (Auslese aufgrund mangelnder Kapazität). Gut, wenn wir erkennen, dass jedes Leben zu schützen ist. Doch ist der Lebensschutz uns sonst auch so wichtig? In Deutschland werden im Jahr mehr als 100.000 ungeborene Menschen des Lebens beraubt (Deutsches Statistikamt; www.destatis. de). Diese Triage ist gesellschaftlich akzeptiert. Wer schützt die Bevölkerung vor ungesunden Lebensmitteln, die weit mehr Krankheiten und Tod verursachen als jeder Grippevirus? Am 26.02.2020 wurde der ärztlich assistierte Suizid vom Bundesverfassungsgericht erlaubt (Aufhebung des ­§ 217 (1) StGB). Wie schützen wir Menschen in Verzweiflung vor sich selbst? Fragen gibt es zunehmend auch zu den „Corona-Schutzmaßnahmen“ der verschiedenen Länder. Dienen diese wirklich dem ­Leben? Wir sind aufgerufen, alles Leben konsequent und sinnvoll zu schützen.

Prüfstand Geschäftigkeit

Einige Menschen haben den Lockdown auch genossen. Endlich mal Stille – Ruhe. Keiner, der was von mir will. Fokussierung auf das Wesentliche. Endlich mal bekam die Familie erste Priorität. Die Erfahrung, dass wir aussteigen können aus unseren Hamster­rädern, den scheinbar unumgänglichen Verpflichtungen – ja, sie ist großartig. Wir müssen nicht durch die Welt jetten, wir müssen nicht zu allen Veranstaltungen, wir können absagen, sogar im großen Stil. Wir können auf Entertainment und Kulturveranstaltungen verzichten und unseren Konsum einschränken. Das sind wertvolle Erkenntnisse und hoffentlich bewahren wir uns diese Einsicht. Wir schätzen hoffentlich ganz neu Musik, Kunst, Kultur und Gemeinschaft. Erkennen wir neu, dass Gott den Sabbat geschenkt hat – Zeiten der Ruhe von der Arbeit. Sonntage (oder Samstage bei Juden) und unsere Fest- und Feiertage sind Zeiten, wo wir zur Stille kommen vor Gott und uns selbst. Sabbat-Ruhe ist kein Hobby.

Götze Naturalismus

Die Schutzmaßnahmen offenbaren ein naturalistisches Menschenbild der Entscheidungsträger. Diese Maßnahmen waren und sind ausschließlich reduziert auf den Körper: Die Virengefahr soll durch Desinfektionsmittel, Masken, Abstandsregelungen und Quarantänen eingedämmt werden. Es ist medizinisches ABC-Wissen, dass ein ausgeglichenes Immunsystem abhängt von guten Beziehungen, Gemeinschaft, ­Freude im Alltag, gemeinschaftlichen Aktivitäten wie Singen, Musizieren oder Sport treiben. Bei ca. 42% Single-Haushalten in Deutschland sind ca. 18 Mio. Bürger vom Social Distancing besonders betroffen. Aber auch spirituelle Verankerung (Gebet, Gottesdienste) stärkt das Immunsystem, genauso wie eine gesunde Ernährung und kreative Betätigungen. Warum haben diese Erkenntnisse keinen spürbaren Einfluss auf die Entscheidung der Regierungen ausgeübt und warum haben wir das so hingenommen? Vielleicht brauchen wir ein neues Bewusstsein für diese Zusammenhänge? Die Bibel sieht den Menschen als Einheit von Leib, Seele und Geist, eine Ganzheit aus biologischen und transzendenten Anteilen. Ganzheitliche Nächstenliebe – eine Herausforderung in Zeiten, in denen Abstands­regelungen hier andere Vorschriften machen.

Götze Geld

Glaubt man manchen Wirtschaftsjournalisten und -experten, so stehen wir durch den Lockdown vor der nächsten Weltfinanzkrise. Andere postulieren, dass der Lockdown eine Maßnahme war, um ein „schwarzes Schaf“ für den internationalen ­Finanz-Crash zu haben, der ohnehin irgendwann kommen wird. Es gibt auch Optimisten. Andere zitieren die reichsten Männer der Welt – z. B. David Rockefeller (†2017) und Bill Gates – einmal als Philanthropen und großzügige Förderer zum Wohle der Menschheit, ein anderes Mal als diejenigen, die das bargeldlose und somit kontrollierbare globale Finanz-System aufbauen wollen, und sehen dadurch unsere Freiheit und unsere Selbstbestimmung in Gefahr. Wie immer diese hochkomplexen Zusammenhänge und Fakten sind: Die Faszination des Geldes bei denen, die es haben oder auch gerade nicht haben, ist ungebrochen. Sind auch wir dieser Faszination verfallen? Wenn aus Sparen ­Geizen wird, wenn aufgrund kluger Geldanlage das Gefühl von Sicherheit entsteht, wenn aus Mangel und Versorgungsangst heraus „krumme Dinger“ gedreht werden ... Existenzangst treibt uns leicht zu Entscheidungen, die nicht aus Glauben und Vertrauen heraus geschehen. Verlassen wir uns auf Hochrechnungen und Prognosen oder vertrauen wir unserem Vater im Himmel? Vielleicht werden auch ­einige von uns nun ihre finanziellen oder materiellen Existenzgrundlagen verlieren. Welche schmerzhaften Verluste kommen auf uns zu? Jesus fordert uns auf: Macht euch Geldbeutel, die nicht verschleißen: einen unerschöpflichen Schatz im Himmel (Lk 12,32-34). Lernen wir ganz neu, unser Hab und Gut als Gabe Gottes zu ­sehen und unserem Herrn zu vertrauen.

Prüfstand Macht

Alle Obrigkeit ist „Gottes Dienerin“, uns zugute. Regierungen sind von Gott, wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet (Röm 13,1). Jede Regierung darf Macht ausüben und soll damit den Bürgern dienen. Wir können in unserem Land dankbar auf über 70 Jahre Demokratie zurückblicken, in der Männer und Frauen Verantwortung übernahmen und durch krisenreiche Zeiten für Stabilität und Frieden sorgten. Gleichzeitig ist uns nicht nur aus unserer deutschen Geschichte bewusst, dass Staaten auch Macht missbrauchen können und nicht den Menschen dienen, sondern zugunsten eigener Ideen, Ideologien und Kontrollbedürfnisse handeln und damit Leben verletzen und zerstören. Die aktuelle Lage nicht nur in Deutschland verunsichert und alarmiert viele Menschen. Es gibt viele Kontroversen und Emotionen in verschiedenen Spannungsfeldern, z. B.:

  • Grundrechte versus Seuchenschutzgesetz
  • Bürgerliche Selbstverantwortung versus gesetzliche Schutzmaßnahmen
  • Körperliche und medizinische Selbstbestimmung versus eventuelle Impfpflicht
  • Recht auf politisch-kritische Diskurse und Proteste versus Verantwortung für inneren Frieden und ­Zusammenhalt des Landes
  • Pressefreiheit, unabhängige Berichterstattung und Forschung versus Vernetzung und Kooperationen zwischen Stiftungen, Förderinstituten und staat­lichen Institutionen und Persone
  • Datenschutz versus Pandemie-Eindämmung mit Contact Tracing (Corona-App)

Macht und Kontrolle – wer greift danach?

Wer setzt sich durch? Welche Narrative dominieren? Christen wissen, dass sie dem Staat und gleichzeitig auch Gott verpflichtet sind (Apg 5,29). Jesus lebt vor, was es heißt: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist – und Gott, was Gottes ist (Mk 12,17). Bei allem, was Menschen planen und tun, öffnet uns Gott den Blick für die Begrenzung: Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da ... (Psalm 103,15-16). So mächtig sich auch Menschen wähnen und nach Kontrolle und Macht streben: der Herr regiert. Beten wir für unser Land, für die politischen Verantwortungsträger weltweit und für die Mächtigen, damit sein Reich komme, sein Wille geschehe. Gott erschüttert die Welt – durch Covid-19 und die vielen Folgen und Begleitphänomene. Er will uns und alle wachrütteln, unsere Götzen zu verlassen, unsere Überzeugungen auf den Prüfstand zu stellen und ihn allein als Gott zu erkennen und ihm die Ehre zu geben.

In der Endzeitrede Jesu (Lk 21,9f) sagt er uns, dass vor seinem Kommen die Völkerwelt sehr unruhig sein wird. Nein, wir müssen nicht verwundert sein: Gott weiß um all diese Ereignisse auf unserem Planeten. ­Jesus sagt uns, was unsere Aufgabe darin ist: ... Entsetzt euch nicht. ... Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht (Lk 21,9.28). Und so wird wahr, dass Gott in und durch all die Schräglagen der Geschehnisse der Heilige und Mächtige ist und bleibt. Mitten im Lockdown gibt es ein Open-up. Das Internet ist seither geflutet mit Gottesdiensten, Predigten, biblischen Vorträgen in allen Sprachen. Gemeinden verschiedener Konfessionen finden zusammen im Gebet. Vernetzung unter Christen findet global statt in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Mitten in Quarantäne, Home-Office und Ausgangssperren wird das Reich Gottes allen Völkern gepredigt. Bleiben wir wach – lassen wir uns korrigieren und von keinem Götzen verführen. Und erschrecken wir nicht: die nächste Wehe wird kommen, denn der Messias kommt bald! Siehe, ich komme bald (Offb 22,12).

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung aus dem Wiedenester Magazin „Offene Türen“, Ausgabe 3/2020

Von

  • Bettina K. Hakius

    Dozentin an der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest. Sie ist Erziehungswissenschaftlerin, evang. Theologin und Kirchenmusikerin.

    Alle Artikel von Bettina K. Hakius

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