Das setzt dem die Krone auf!

Therapeutisch gärtnern

Meine nachhaltigste Veränderung hat sich in unserem Garten ereignet. Mitten in der Kinderspielwiese entstand innerhalb weniger Tage ein kleines Permakultur-Gemüsebeet. Was genau das ist, bin ich noch dabei herauszufinden! Aber ich hatte irgendwann genug vom Kochen und Konsumieren und suchte den Rat und den Garten einer Gefährtin auf, die mit mir sogleich an einem Nachmittag mit einer riesigen Grabgabel (Grillinette) ein handtuchgroßes Stück Rasen in fruchtbare Erde verwandelt hat. Als wäre ein innerer Schalter umgelegt worden, habe ich mich mit Geist und Seele und allen Sinnen in dieses Projekt vertieft und pflanze und säe und mulche und kompostiere, lese erstaunliches über Mischkultur-Pflanzen, die sich „gut verstehen“ und einander helfen, und über Krabbeltierchen, die den Boden lebendig machen oder Läuse fernhalten. Was ich für Unkraut gehalten habe, landet plötzlich im Salat oder wird zu Dünger.

Obwohl ich deutlich mehr Zeit dort verbringe als geplant, kostet es mich zu meinem eigenen Erstaunen keine zusätzliche Kraft, vielmehr schöpfe ich von daher Energie, um die kleinen und großen Krisen um mich herum tapfer und hoffnungsvoll an mich heranzulassen. Schon der tägliche Anblick dieses kleinen Stückchens Fruchtbarkeit verändert meine ganze Lebenshaltung. Mein Nachbar, der mich mit Tomatensetzlingen, Kapuzinerkresse und seiner reichen Erfahrung versorgt hat, ist der Überzeugung: Wenn viele Menschen anfangen, sich ihrem Garten zu widmen, wird es besser werden mit der Welt. Und wenn ich ehrlich bin: Ich glaube, er hat recht!

Daniela Mascher, OJC

Motivation auf dem Prüfstand

Zu Beginn des Lockdowns haben wir die Entschleunigung, den Rückzug in die eigenen vier Wände als Zeit zum Aufatmen gesehen, trotz vieler Stunden vor dem Computer. Ich stellte mir die Frage: Wenn wir den Alltag ohne unsere Termine in der Gemeinde so sehr genießen, war dann unser seitheriges Engagement etwa nicht freiwillig und gern, sondern getrieben von Aktionismus, von eigenen Interessen, und nicht um der Menschen, um des Auftrags willen? Haben wir überhaupt die Frohe Botschaft vermittelt, wenn uns die Mitmenschen plötzlich so gleichgültig und fern sind? Jetzt kommt unsere Motivation auf den Prüfstand. Mir begegnet sehr viel Angst um die eigene Gesundheit, gerade unter Christen. Das erschreckt mich. Haben wir nicht mehr Vertrauen als die Welt? Auch ich buchstabiere deshalb immer wieder: „Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Glaube ich das wirklich?

Es zeigt sich, welche Beziehungen innerhalb der Gemeinde jetzt noch tragen. Und es sind erschreckend wenige, trotz vieler Kontakte. Aus den Augen, aus dem Sinn? Rundmails allein genügen nicht. Bei Begegnungen weichen wir voreinander zurück, im Gottesdienst sind wir verstummt und vermummt und voller Berührungsängste. Da hat es die Gemeinschaft schwer, und jeder bleibt bei sich, bleibt sich selbst der Nächste. Ohne echte Begegnung zerbricht die gewohnte Zusammengehörigkeit. Neue Formen müssen gefunden werden, aber sind sie ein gleichwertiger Ersatz?.

B.P., ehrenamtliche Mitarbeiterin einer evang. Kirchengemeinde

Hoffnung stiften- Als Klinikarzt in der Coronakrise

Die Arbeit mit Infektionen gehörte schon immer zum Klinikalltag dazu, trotzdem kam Corona überraschend und wir mussten uns fragen, ob die Schutzmaßnahmen für die Patienten und das Klinikpersonal reichen werden. Wird die Arbeit in direktem Kontakt zu Infizierten für Auswirkungen auch auf meine familiäre Situation haben?

Sukzessive, aber mit hohem Tempo kam es dann zu einem nahezu kompletten Stillstand des Routineklinikbetriebs und einer Bündelung der Kräfte, viele mussten umdenken und sich flexibel zeigen. Gleichzeitig zeigte sich eine große Solidarität und ein großes Verständnis von Patienten und Angehörigen für die teils drastischen Hygienemaßnahmen. Der enge Kontakt zu den Patienten war erschwert, aber der Versuch, das Ganze in Griff zu bekommen, hat auch sehr zusammengeschweißt.

Für mich war das Gebet und die Gewissheit, dass Gott letzten Endes auch Herr über diese Krankheit ist, eine große Stütze. Meine Familie stand jeder Zeit hinter mir, auch wenn sie durch mich einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt waren und noch sind.

Oft fühlte es sich wie ein drohender Tsunami an. Wie die Ruhe vor dem Sturm. Zum Glück war das, was kam, nicht so ausgeprägt wie befürchtet. All unsere intensivmedizinisch betreuten COVID-19-Patienten überlebten.

Die Infektionsgefahr ist noch nicht komplett gebannt und eine zweite Infektionswelle ist nach meiner Einschätzung sehr wahrscheinlich. Umso schwieriger bleibt es wachsam zu sein und gleichzeitig den Routinebetrieb im Krankenhaus fortzuführen.

Was bleibt ist eine große Dankbarkeit für die Bewahrung vor Schlimmerem und für die erlebte Solidarität. Ein Lächeln weitergeben zu können, trotz Mundnaseschutz! Aber ungezwungen die Hand eines Patienten halten zu können, das wird auf jeden Fall fehlen.

Ich denke, am meisten hat mich in dieser Zeit die Solidarität beeindruckt. Unter den unterschiedlichen Fachgruppen in der Klinik, aber auch von Seiten der Patienten und Angehörigen, die auch größere Freiheitseinschränkungen meist gut mitgetragen haben. Auch, dass die Bevölkerung die Schwächsten in der Gesellschaft schützen wollte und dieses Ziel über eigene Interessen stellte.
Ich hoffe, dass von diesem Mitgefühl langfristig etwas im Klinikalltag bleibt.
Mir hat die Notsituation nochmals verdeutlicht, dass auch eine hochtechnologische Medizin schnell an ihre Grenzen gerät. Gottvertrauen ist mein entscheidender Halt, erst Recht in solchen Notzeiten.

Johannes Karasek, Klinikarzt

Corona hat mir Luft verschafft!

Ich bin bislang erstaunlich gut durch die Corona-Krise gekommen. Das Virus fürchte ich nicht, halte mich aber an die geltenden Regeln um meiner Nächsten willen.

Beruflich gesehen hatte Corona bislang keine Auswirkungen auf mein Leben. Privat als Single und beruflich als Restauratorin bin ich Alleinsein gewohnt. Für mich wird die Krise wohl erst noch kommen, wenn durch die drohende Rezession das Geld knapp wird. Dann sind Kunst und Restaurieren ein Luxus, an dem zuerst gespart wird. Aber seit meiner Existenzgründung vor 14 Jahren lebe ich im Vertrauen auf Gottes Fürsorge. Bislang wurde ich nie enttäuscht. In diesem Vertrauen will ich auch in die nächsten Jahre gehen.

Mich hat Corona sehr entspannt. Die Stille im Stuttgarter Kessel nach dem shutdown und die viele freie Zeit durch wegfallende Termine waren wohltuend! Regelmäßige Einkäufe für ein älteres Ehepaar und häufige Besuche bei meinen Eltern waren für mich Quellen der Freude und Begegnung.

Die fehlenden Gottesdienste in der Kar- und Osterzeit führten mich in die Stille. Videogottesdienste habe ich nie genutzt. Die Filme aus den leeren Kirchen waren für mich trostlos. Stattdessen begegnete ich Gott in Bachs Johannespassion, in den Andachten der OJC, ausführlicher, echter Stille am Morgen  und in der herrlichen erwachenden Natur. Hier strahlte und blühte das Lob des Schöpfers! Ein Sonnenaufgang am Ostermorgen auf dem Stuttgarter Trümmerberg war ein besonderes Erlebnis, das ich sonst an Ostern nicht habe. Und die Osterbotschaft stand mit Kreide auf allen Gehwegen!! Sonst ist sie nur in den Kirchenräumen zu hören. Was für ein Zeugnis!!!

Seit Anfang Mai gibt es wieder Gottesdienste. Beglückend für mich: In wechselnden Mini-Ensembles (6 Leute) darf unser Chor statt der Gemeinde singen. Das ist ein Dienst, den ich sehr gerne tue – für Gott und die Gemeinde. Sonst ist Singen ja gerade das gefährlichste Hobby der Welt… L

Insgesamt erlebe ich Corona also gerade eher positiv:
Das Virus deckt Missstände auf (unterbezahlte Pflegekräfte, Massenunterkünfte für Erntehelfer und Gastarbeiter, etc…) und sorgt für mehr Rücksichtnahme und Abstand in unsrer Ellenbogengesellschaft.

So paradox es klingt: Corona hat mir Luft verschafft! Statt drängender Enge und Hektik gibt es mehr Ruhe, Raum und Zeit. Das ist für mich in der Großstadt besonders spürbar.
Nur Umarmungen und Abendmahl vermisse ich schmerzlich. Beides Dinge, die für mich als Single Gemeinschaft stiften – mit Gott und den Menschen.

Ich wünsche mir sehr, dass wir die entlarvten Missstände als positive Veränderungen mitnehmen aus dieser Krise und nicht wieder zurückfallen in unseren Alltagstrott, wo jeder nur sich selber sieht, weil wir Menschen meinen, alles im Griff zu haben. Ein kleines Virus hat in den letzten Wochen genügt, um uns eines Besseren zu belehren…

Barbara Springmann, Restauratorin

Noch vor wenigen Monaten

Noch vor wenigen Monaten verbanden die meisten Menschen mit Corona ein leckeres mexikanisches Bier.

Mittlerweile spielt Corona nicht mehr nur an einem kühlen Sonnabend eine Rolle – es ist für viele der Inbegriff von Unsicherheit und Angst geworden.
(Tagtäglich werden wir erinnert, dass wir uns und unsere Gesellschaft schützen müssen – ob im Supermarkt oder im Kino.)

Gleichzeitig findet eine unglaubliche Solidarität in unserer Gesellschaft statt.
Universitäten verzichten auf Präsenzlehre und stellen ihren gesamten Betrieb auf eine digitale Lehre um. Arbeitsgemeinschaften und Übungen finden in diesem Zug online über Zoom statt und nicht wie gewohnt in „Klassengröße“ vor Ort.
Schulen schließen wochenlang und der Gesetzgeber verabschiedet ein gigantisches Maßnahmenpacket das noch Generationen nach uns zu tragen haben.

Durch Corona sind wir als Menschen (insbesondere in Deutschland) enger zusammengerückt und haben insbesondere für Schwache, Kranke und alte Menschen unsere eigenen Bedürfnisse zurückgestellt – dies ist eine Entwicklung, auf die wir stolz sein können.

Gleichzeitig beunruhigt mich, dass das Vertrauen in unsere Politik schmilzt, stattdessen entstehen Verschwörungstheorien.
Außer Frage steht, dass es auch nach dem „Corona-Zeitalter“ Pandemien und Krisen gibt. Entscheidend ist, dass wir lernen, uns kritisch und nicht destruktiv mit politischen Entscheidungen und Maßnahmen auseinandersetzen, Politiker stärken und nicht diffamieren.
Das ist womöglich die „wahre Herausforderung“ vor die uns Corona neu stellt!

E.E., Student der Rechtswissenschaften

Balkonsingen

Als zu Beginn der Coronakrise das Balkonsingen aus Italien zu uns schwappte, beschlossen wir, die Hausgemeinschaft im REZ (4 FSJlerinnen und das Ehepaar Belz), uns dem anzuschließen und die Nachbarn dazu einzuladen. Schnell bildete sich eine Stammgruppe von 10-12 Leuten, die sich allabendlich mit dem gebührenden Abstand traf. Nach dem Siebenuhrläuten stimmte Martin uns mit dem Saxophon ein, wir sangen fünf Strophen von „Der Mond ist aufgegangen“ und nach zehn Minuten war alles vorbei. Das haben wir bis Pfingsten durchgehalten und dann mit den Lockerungen die Aktion beendet.

In der besonders am Anfang nahezu surrealen Corona-Situation, in der wir uns nur noch als Hausgemeinschaft treffen durften, war das ein Fixpunkt, auf den wir uns richtig freuen konnten. Wir haben Nachbarn kennen gelernt, die meisten schon älter, denen wir sonst bestimmt nicht begegnet wären und im Lauf der Wochen mehr übereinander erfahren.

Manchmal ging irgendwo noch ein Fenster auf oder die Autos vorne an der Straße fuhren langsamer, um uns zuzuhören. Es war schön, dass wir so ein bisschen Hoffnung weitergeben konnten. Der Gedanke, dass zur gleichen Zeit weltweit irgendwo gesungen oder geklatscht oder was anderes gemeinsam gemacht wird, hat uns richtig gut getan.

Diese einfache Geste hat den Zusammenhalt in der Nachbarschaft gestärkt, wir müssen da nicht alleine durch. Und es bleibt das Wissen, dass man sich im Notfall gegenseitig unterstützen kann.

FSJ-Frauen-WG im Jugendzentrum, Reichelsheim

Das Salzkorn im Abonnement

Jede Ausgabe dieser Zeitschrift können Sie kostenfrei bestellen »

Auch künftige Ausgaben vom Salzkorn (erscheint vier Mal im Jahr) senden wir Ihnen gerne zu. Hier können Sie das Salzkorn abonnieren »

Unsere Veröffentlichungen unterstützen

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende, christliche Werte und eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Strömungen der Zeit auf der Grundlage des Evangeliums an nachfolgende Generationen zu vermitteln.

So können Sie spenden:

» Bankverbindung
» Spendenformular
» PayPal