Neu verdrahten - neu vertrauen

09.-11. Juli 2021

Seminar mit Melinda Cathey über Bindung und Vertrauen, und wie man beides hervorbringen kann.

Nichts prägt uns so sehr wie Erfahrungen der frühen Kindheit. Sie werden zum Filter, durch den künftige Erfahrungen laufen. Wer erlebt hat, dass der Schrei nach Nahrung, Berührung, Trost, Wärme und Schutz gehört und gestillt wurde, weiß: Es ist gut, dass ich hier bin; ich bin geliebt und werde gesehen. Aus sicherer Bindung erwächst Empathie und Vertrauen.

Doch niemand erlebt nur bedingungslose Liebe und Annahme. Jeder hat schwierige, manche sogar traumatische Erfahrungen gemacht, die Leben und Beziehungen prägen.

Die Folgen von positiven und negativen Bindungserfahrungen unterscheiden sich bei Kindern und Jugendlichen häufig darin, wie sie ihre Bedürfnisse äußern und wie sie sie erfüllen lassen können. Ein Kind, dessen Bedürfnisse nicht oder nur ungenügend gestillt wurden, lernt nicht, eigene Bedürfnisse angemessen zu äußern. Stattdessen entwickelt es oft dysfunktionale 'Überlebensstrategien' wie Manipulation, Kontrolle, Aggression oder sogar Gewalt, um möglichst zu bekommen, was es braucht. Ohne die eigene Stimme zu entwickeln, lernt ein Kind nicht darauf zu vertrauen, dass seine Bedürfnisse von fürsorgenden Erwachsenen gestillt werden. Statt Vertrauen wächst Misstrauen.

Auch Erwachsene sind oft noch geprägt durch ihre Erfahrungen mit Bindungen. Sie beeinflussen die eigene Fähigkeit, auf die Bedürfnisse von Kindern einzugehen. Je besser man seine eigene Geschichte versteht, desto eher kann man als Elternteil, Erzieher, Pädagoge, Sozialarbeiter oder Lehrer jenen Kindern und Jugendlichen mit schwierigen Bindungserfahrungen helfen, neu zu vertrauen.

Melinda Cathey hat einen Abschluss in TBRI - Trust Based Relational Intervention von der Texas Christian University. Mit den dort gewonnenen Erkenntnissen konnte sie das Programm für jugendliche Waisenkinder bei den OJC-Freunden von Pristin/The Harbor in St. Petersburg in den vergangenen Jahren überarbeiten. Immer wieder waren einzelne Jugendliche nahezu "immun" gegen die liebevolle Zuwendung der Harbor-Mitarbeiter. Das Misstrauen blieb. Mit Hilfe des TBRI-Ansatzes, der sich die neuesten Entwicklungen aus Neuropsychologie, Neurobiologie und Entwicklungspsychologie zunutze macht, hat sie die Arbeit von The Harbor sehr hilfreich erweitern können. Im Umgang mit vielen Kindern konnten sie tiefgreifende Heilung und Veränderung erleben, und das nicht nur bei denen, die unter frühkindlichen Traumata gelitten hatten. Eine ihrer Entdeckungen aus dieser Arbeit ist die tiefgehende Verbindung unserer physischen, emotionalen und geistlichen Gesundheit. Es ist Melindas Wunsch für die Kirche, dass sie versteht, wie wichtig eine emotional-psychische Gesundheit für unsere christliche Jüngerschaft ist und dass sie nicht von geistlicher Reife getrennt werden kann. Denn wir sind geistlich nicht weiter als wir es emotional sind.

Beim Seminar führt Melinda in diese neuen Erkenntnisse ein und zeigt, wie jeder lernen kann, neu zu vertrauen.

Team:
Jeppe Rasmussen u.a.

Kosten:
Seminargebühr 120,- €, Ü/V 97-135,- € (bei Unterkunft im Mehrbettzimmer mit Kindern bitte anfragen)

Info und Anmeldung:
Monika Wolf • Telefon: 06164/55395, E-Mail: tagungen@ojc.de, oder über unser Online-Anmeldefomular

Ein kurzes Video, das eine Einführung in den TBRI-Ansatz gibt:

TBRI: Trust-Based Relational Intervention

Wer sicher gebunden ist, fängt von sich aus an, die Welt zu entdecken.

Stichworte: Seminare

OJC-Terminflyer 2021

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