Deine Kuh, meine Kuh, unsere Zukunft

Versöhnungsprojekt in Rwanda
Emerthe und Celestin mit ihrer Kuh
© CARSA

Ein Versöhnungsprojekt in Rwanda

„Ich bin erstaunt, wie nahe sich unsere Kinder sind. Sie haben das Leichentuch des Argwohns zwischen zwei Familien weggerissen.“

Unfassbares Leid zeichnet auch heute noch die Gesellschaft in Rwanda. Durch den Völkermord in den Neunzigerjahren verlor Emerthe sieben Familienglieder – und litt jahrelang an körperlichen und seelischen Schmerzen. Ihre Situation verschlimmerte sich, als sie hörte, dass einer der Täter, Celestin, aus dem Gefängnis entlassen wurde. Die Nachricht erfüllte sie mit großer Angst und der Wunsch nach Rache wurde immer stärker. Sie wusste, dass sie von keiner Seite Schutz erwarten konnte. Da erhielt sie eine Einladung der Organisation CARSA, an einem Versöhnungs- und Heilungsseminar teilzunehmen. Langsam kam eine andere Dimension in ihr Leben und sie erfuhr Verständnis und therapeutische Begleitung. Das befähigte sie letztendlich dazu, Celestin zu vergeben.

Auch Celestin nahm an diesem Workshop teil. Er war ebenfalls durch den Genozid traumatisiert und litt unter der schweren Last der Schuld, die er auf sich geladen hatte. Die Erfahrung der Vergebung durch Emerthe schenkte ihm ein neues Leben. Die beiden bekamen eine Kuh zur Verfügung gestellt, die sie gemeinsam pflegen sollten. Dadurch näher­ten sich beide Familien an.  

Die gemeinsame Verantwortung, das Teilen der ­­Arbeit und dann der Milch und des Dungs ermöglichten den Aufbau einer Lebensgrundlage und ­ebneten den Weg zu einem versöhnten Mit­einander. Heute bezeichnen sie sich als Freunde und sehen die Frucht der Versöhnung an ihren Kindern.

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