Frank Paul in Manila - Dezember 2018

Manila - Philippinen

Das Potenzial philippinischer Christen wird vervielfältigt

Seit Jahrzehnten unterstützt die OJC mit ihrer jährlichen Weihnachtsaktion Projekte von Servants und Onesimo auf den Philippinen. Frank Paul ist unser Projektkoordinator und ist im Dezember nach Manila gereist.  Christian Schneider, Mitgründer und heute Begleiter und Unterstützer aus der Ferne hat ihn befragt:

Frank, du bist nun gut zwei Wochen in Manila unterwegs. Was sind deine stärksten Eindrücke?

Endlose Autoschlangen zu fast jeder Tageszeit, Dieselgestank, viele schicke Wolkenkratzer, die Hitze, die ich sehr mag, Menschenmassen, überall Lärm und laute Musik, große, glitzernde, heruntergekühlte Shoppingmalls mit Einlasskontrolle für die Reicheren und lange Straßenzüge mit Kleinläden, Händlern und Märkten für die Kleinverdiener, dann auch Bettler, Straßenkinder und ganze Familien, die auf den Gehwegen schlafen, religiöse Slogans auf Jeepneys und Bibelsprüche als Straßenverzierung.

Onesimo Boys Center

Onesimo arbeitet mit rund vierzig Slumkirchen „Church Based Ministry“ (CBM) zusammen. Wie hast du diese Partnerschaft erlebt?

Schon das Konzept finde ich sehr einleuchtend: In jeder CBM-Gruppe erweitert ein Ehepaar – meistens sind es die Pastoren – seine Familie um rund ein Dutzend junge Männer und Frauen von der Straße, diese kommen zum Teil direkt vom Jugendstrafvollzug. Die Ehepaare übernehmen Verantwortung für die bereits Volljährigen, die alle eine bewegte Geschichte haben, begleiten sie in ein strukturiertes Leben, wo sie einer Ausbildung nachgehen und häusliche Pflichten erfüllen, und sie setzen ihnen auch liebevoll Grenzen. Ich habe bei allen eine starke Überzeugung gespürt, diese Verantwortung freiwillig für zwei Jahre zu übernehmen – gepaart mit großer Hingabe und Barmherzigkeit. Onesimo bezahlt ja weder den Mitarbeitern noch den Kirchen Geld, trägt aber die Kosten für die Verpflegung, medizinische Versorgung, Transporte, Ausbildung und für das Coaching der freiwilligen Mitarbeiter. Einmal im Monat treffen sich die Pastoren der CBM und lernen sich so über die Stadtviertel und Konfessionsgrenzen hinaus kennen und schätzen. Pastor Dennis Manas und sein Team leisten hier eine sehr wertvolle Arbeit.

Wir legen bei Onesimo Wert auf ganzheitliche Ermächtigung. Hast du das in den verschiedenen Arbeitszweigen wahrgenommen?

Ja, am stärksten bei den Slumkirchen, die mit Onesimo zusammenarbeiten. Hier wird das Potenzial von engagierten Christen und kleinen lebendigen Kirchen vervielfältigt. Dadurch erhalten viel mehr junge Menschen von der Straße eine gute Zukunftsperspektive. Das Angebot umfasst eine Berufsbildung für Elektrik, Kleinmotoren, Schweißen, Nähen, Kochen, Backen, Kosmetik, Massage, auch Schulabschlüsse werden nachgeholt. In dieser Hilfe zur Selbsthilfe wird die Botschaft von Gottes Liebe zu allen Menschen konkret. Durch ihr Engagement erweitert sich das Herz der Beteiligten unweigerlich und konfessionelle und dogmatische Unterschiede verlieren an Bedeutung.

Bei einem Mitarbeitertreffen hast du über Moses und den brennenden Dornbusch gesprochen und zuvor demonstrativ die Schuhe ausgezogen und gesagt: „Das hier ist heiliger Boden.“. Wie war das gemeint?

Das war eine spontane Idee, die wohl damit zu tun hatte, dass ich viele Jahre über Onesimo gelesen und anderen davon erzählt hatte. Nun saß ich auf einmal vor diesem starken einheimischen Mitarbeiterteam. Einige von ihnen hatte ich bereits persönlich kennengelernt und gesehen, wie sie sich im Namen Gottes für die Schwachen und Bedürftigen einsetzen. Ich sah, wie Menschenleben nachhaltig zum Guten verändert werden. In den Mitarbeitern sah ich Gottes lebendige Präsenz, die Geste des Schuheausziehens schien mir dazu angemessen.

Was könnten unsere Gemeinden in Europa von diesen Slumgemeinden lernen?

Diese kleinen, aber tragfähigen Gemeinschaften haben in ihrer hoffnungslosen Umgebung eine enorme Relevanz. Die Gemeindeglieder werden angeleitet, ihre Komfortzone für eine inklusive Gemeinschaft aufzugeben, in der schwächere Menschen willkommen sind. Auch die große Bereitschaft zum Teilen, beispielsweise beim offenen Mittagstisch nach dem Gottesdienst, ist beeindruckend.

Matalingting Camp Farm
Matalingting Camp Farm

Onesimo baut zurzeit auf zehn Hektar bergigem Urwaldterrain außerhalb von Manila eine Farm und ein Campgelände. Welche Eindrücke, Wünsche und Empfehlungen hast du für dieses Projekt?

Was ich gesehen habe, ist wahrhaft erstaunlich: Ein zweistöckiges Hauptgebäude für Gruppen, ein Haus für Mitarbeiter und Gäste - im Vergleich zum Standard anderer Ferienanlagen relativ schlicht gebaut, ohne beispielsweise warme Duschen oder Klimaanlagen. Für die Wasserversorgung sorgen zwei mechanische Pumpen, die rund um die Uhr Wasser vom Fluss in höher gelegene Tanks pumpen. Es gibt inzwischen Gemüsepflanzen und Fruchtbäume aller Art, wir haben sogar Kaffee aus eigenem Anbau geröstet und genossen! Efren und Dennis, die beiden Leiter der Matalingting Camp Farm, haben viele Ideen für die Zukunft und kümmern sich mit ihrem engagierten Team seit vielen Jahren, im Augenblick gerade um die Betonierung der steilen Zufahrtswege!

Onesimo ist als NGO den sehr Armen verpflichtet.  Da wirkt ein so großes Bauprojekt mit Geldsummen, wie sie gerade in den Bau einer betonierten Hang-Straße und die neuen Häuser investiert wurden, so schick, dass es auf den ersten Blick möglich ist, das neue Camp und Farm-Gelände mit einer aus Europa finanzierten Charity zu verwechseln. Geländer aus Edelstahl und große Bodenfliesen scheinen mir ein eher fragwürdiges Signal zu setzen. Ich frage mich, wie man hier bauen kann, ohne ausländisch zu wirken, so dass sich Slumbewohner wohlfühlen. Wie können Mitarbeiter von Onesimo verhindern, dass sich nicht die auch dort verbreiteten Strukturen mit Privilegierten und Nichtprivilegierten wiederholen? Aber die Mitarbeiter, die sich auf den Boden setzten, damit eine Gruppe Minderjähriger am zu kleinen Tisch Platz nehmen konnte, haben mich dann wieder sehr beeindruckt.

Es wird inzwischen schon Bio-Obst und Gemüse, sogar Bio-Kaffee angebaut. Geplant ist, auch andere Zentren von Onesimo mitzuversorgen. Könnte externer Verkauf nicht sogar zur Finanzierung beitragen?

Klar, das ist theoretisch möglich. „Onesimo-Bio-Kaffee“, der ließe sich bestimmt gut verkaufen, vor Ort und zweifelsohne auch unter Onesimo-Freunden in der Schweiz. Außer, dass das ein Beitrag zur Finanzierung der laufenden Kosten sein könnte, scheint mir besonders wichtig, dass Leute von Onesimo beim Bauen der Häuser, beim Neuordnen des Urwaldgeländes und beim Nachdenken über zukünftige Pläne zur Nutzung des Camp- und Farmgeländes maximal viel selber mitmachen, mitgestalten, ihre Marke hinterlassen und eine innere Bindung mit dem Projekt aufbauen. So sind z.B. auch auf der Lilok-Farm und auf Camp Rock ganz eigene Stile entstanden. Und ganz viele Menschen können auf etwas zeigen und sagen: „Das habe ich gemacht!“ Mit europäischem Geld planen und finanzieren geht sicher schnelle, schmälert aber eher die Identifikation der Leute vor Ort.

Was kannst du uns für die weitere Entwicklung von Onesimo empfehlen? Welche Punkte sind heikel?

Onesimo war von Anfang an eine von Einheimischen mitgestaltete und ist heute eine ganz von Filipinos geleitete/verantwortete Organisation, in der sich viele seit Jahren mit fachlicher Exzellenz, Herz, Mut und Gottvertrauen engagieren. Es war ein unglaublicher Entwicklungsschritt, als Onesimo anfing, sich in seinen Zentren auf die Minderjährigen zu konzentrieren - und für WG's mit älteren Jugendlichen mit selbstständigen Slum-Kirchen zusammen arbeitet (mehrere Dutzend inzwischen), die fachlich und geistlich begleitet werden - und nur für Lebensmittel finanzielle Unterstützung von Onesimo erhalten.

Solange dieses Glaubenswerk wesentlich von Christen getragen wird (und keinen anderen Geldgebern hörig ist), kann es sich inhaltlich und fachlich ohne fragwürdige Kompromisse weiterentwickeln.

Da Onesimo als NGO von Schweizern gegründet wurde, kommt bis heute der allergrößte Anteil der Finanzierung aus dem Ausland. Aber auch auf den Philippinen leben Christen mit einem Herz für die Armen; es gibt auch nicht wenige Wohlhabende in den christlichen Gemeinden! Um ihre Unterstützung und Vertrauen zu gewinnen, Beziehungen zu ihnen zu bauen, braucht es weiterhin Kreativität und Ausdauer. Dazu - denke ich - muss klar sein, dass neue Projekte von Onesimo auch aus dem eigenen Land entwickelt und substanziell mitfinanziert werden müssten.

Lebenswende für Müllkinder

Georgia und ihre Mutter Arlene
Georgia und ihre Mutter Arlene

Weihnachtsaktion 2016

Arlene und Georgia – eine Versöhnungsgeschichte

In einem Slumdorf, dicht am Müllberg von Payatas, leben viele Hunderttausende. Am Ende einer Gasse wohnt Arlene, die Mutter von Georgia. Georgia ist neunzehn Jahre alt und hat die zweijährige Lebensschule in einer der Onesimo-Trainingsgemeinschaften abgeschlossen. Sie arbeitet als Hilfskraft in einem Golfclub, um etwas zum Lebensunterhalt ihrer Familie beizutragen, besucht eine „Samstagsschule“ und ihr Traum ist es, Lehrerin zu werden.

Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus. Georgia hatte die Schule geschmissen, hing mit Jugendlichen herum und ersäufte ihren Frust im Alkohol. Sie fühlte sich von Gott und der Welt verlassen. Die Mutter erzählt: „Meine Tochter und ich waren wie wilde, verfeindete Tiger. Wir konnten einander nicht ausstehen und sprachen nicht mehr miteinander. Dann geschah das Wunder. Jedes Mal, wenn sie aus der Trainingsgemeinschaft kam, ist etwas Neues geschehen. Die Mauer zwischen uns begann zu bröckeln. Georgia half im Haushalt mit – und vor dem Essen betete sie! Da war so etwas wie ein neuer Geist in ihr!

Das ist nur eine von vielen Wundergeschichten aus Manila. Den neuen Dokufilm über die Straßenkinder- und Jugendarbeit kann man bei Onesimo in der Schweiz zum Selbstkostenpreis beziehen.

Discovery Team

Onesimo bietet mit dem Discovery Team einer kleinen Reisegruppe Einblick in die Arbeit in den Slums von Manila. Es geht v.a. um das Mitleben für ein paar Tage oder Wochen bei einer Slumfamilie oder in einer der Lebensgemeinschaften von Onesimo und das Teilnehmen an ihrem Alltag. Auf diese Weise kann man hautnah zeitgemäße Mission mit nachhaltigen Entwicklungsprojekten kennen lernen. Hier finden Sie einen Bericht von persönlichen Erfahrungen, die während des Discovery Aufenthaltes gemacht wurden.

Interessiert? Einen Termin für die nächste Discovery Gruppe bitte beim OJC Projektpartner Christian Schneider-Tanner erfragen. Weitere Infos  und Fragebogen für Interessierte hier.

Bulilit - Kindertreff mitten im Slum

Lachend strecken Ronnie, Ryan und Zach die Köpfe über den Heften zusammen.
Lachend strecken Ronnie, Ryan und Zach die Köpfe über den Heften zusammen.

Weihnachtsaktion 2013

Lachend stecken Ronnie, Ryan und Zach die Köpfe über den Heften zusammen. Nicht, dass sie gerne Hausaufgaben machen; aber bei „Bulilit“ ist sogar das Lernen ein Vergnügen. Zuhause geht das nicht, denn ein Zuhause haben sie nicht: die Jungen leben im Slumviertel Quiapo in Manila auf der Straße und in den Höhlen der Müllberge. Für sie ist das Drop-In-Zentrum von Bulilit eine Oase zum Auftanken. Hier bekommen sie ­außer Verpflegung und einer Duschgelegenheit vor allem Unterstützung beim Lernen und für ihren Alltag. Das Zentrum ist ein Projekt von ONESIMO, unserem langjährigen Partner, das sich inzwischen in zehn Stadtteilen der 20-Mio.-Metropole der ­Förderung Kids und Teens im Slum widmet. Pastor Benjamin Polidario bietet hier zusammen mit dem Ehepaar Lynette und Daniel Wartenweiler Sozialwaisen und verwahrlosten Kindern zwischen fünf und fünfzehn Jahren praktische Lebenshilfe, Freundschaft und Geborgenheit. So tragen sie die Liebe Gottes und die Hoffnung auf ein würdevolles Leben zu den Ärmsten der Armen. Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass Ronnie, Ryan und Zach dem Teufelskreis von Drogen, Missbrauch und Kriminalität, der ihre Familien zerstört hat, entkommen, und lernen zu hoffen, zu glauben und zu leben.

Projektname Philippinen

Manila - Hoffnung für Slumkinder

Eine neue Erfahrung: unbeschwert Kind sein dürfen außerhalb den Slums von Manila!
Eine neue Erfahrung: unbeschwert Kind sein dürfen außerhalb den Slums von Manila!

Slumkinder in Manila waten durch haushohe Müllhalden - keine Seltenheit in der philippinischen Metropole. Im Ferienaufenthalt in Camp Rock spüren viele oft zum ersten Mal festen Grund unter den Füssen. Fernab vom durch Drogen, Gewalt und Prostitution vergifteten Alltag verbringen sie unbeschwerte Tage im Ferien- und Schulungszentrum

von ONESIMO auf der Insel Mindoro und erfahren Geborgenheit und Wertschätzung. Viele lassen sich anschließend auf eine Drogentherapie ein, in der Hoffnung, dass ihr Leben mit Jesus eine neue, heilsame Wende bekommt.

Über 10.000 Kinder haben das Feriencamp mittlerweile besucht, viele haben hier vom vielfältigen Angebot der Wohngruppen und Ausbildungsstätten erfahren, die ONESIMO in Manila betreibt. Das Gelände konnte durch einen Landkauf erweitert werden und wird nun erschlossen und geebnet. Geplant sind der Ausbau einer Feuerstelle, Basketballplatz, Mehrzweckhalle mit Toiletten, Schaukeln und einer Kletterwand. Wir wollen diesen Kindern in Jesu Namen beistehen: "Was ihr getan habt einem unter meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25,40)

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Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass dieses Projekt unserer Weihnachtsaktion durch die Menschen vor Ort sich langfristig entwickeln und die Freundschaft sich vertiefen kann.

Spendenmöglichkeiten

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Flyer herunterladen

Hier finden Sie den aktuellen Flyer für die Weihnachtsaktion vom 1. November 2018 bis 31. Oktober 2019

» OJC-Weihnachtsaktion 2018/19 [pdf, 2 Mb]