Die Kämpferin von St. Petersburg

Eleonora Muschnikowa und Swetlana Marchukowa Zu Gast in Reichelsheim im Sommer 2018, rechts Projektkoordinator Frank Paul
Eleonora Muschnikowa und Swetlana Marchukowa zu Gast in Reichelsheim im Sommer 2018, rechts Projektkoordinator Frank Paul

Eine Lehrerin sorgte dafür, dass in ganz Russland Religionsunterricht möglich ist

Sie ist eine Kämpferin: Eleonora Muschnikowa aus St. Petersburg. Die 66-Jährige ist die Vorsitzende der Deutschen Peterschule in der nach Moskau zweitgrößten Stadt des Landes. Schule und Stadt sind beide nach dem Apostel Petrus benannt. Die Lehrerin hat dem Staat die Stirn geboten – und gesiegt. Ihre Überzeugung: Jeder Mensch sollte die Chance haben, Gott kennenzulernen. Und ihr Erfolg: Dank ihrer Initiative darf in Russland an allen Schulen Religionsunterricht erteilt werden.

Sie kam im Gulag zur Welt

Wie ist es dazu gekommen? Muschnikowa kam im Gulag in Sibirien zur Welt. Ihre Eltern waren dorthin verbannt worden, weil sie Deutsche und Ärzte waren. Erst als Nikita Chruschtschow 1953 Parteichef der Kommunistischen Partei wurde, hat man sie rehabilitiert. Ihre lutherischen Eltern erzogen sie im christlichen Glauben. Doch schon als Kind lernte sie schnell, dass es zwei Welten gab – die zu Hause und die außerhalb. Wer außerhalb von Gott sprach, musste damit rechnen, bestraft zu werden. Denn der Atheismus war Staatsdoktrin. Letztlich glaubte bis zur Perestroika fast jeder, dass nur verrückte Leute an Gott glauben. Erst mit dem Fall des Kommunismus ab 1989 änderte sich das.

In dieser Zeit des revolutionären Umbruchs gründete Muschnikowa zusammen mit Freunden die Deutsche Peterschule. 50 Lehrer unterrichten bis zu 500 Kinder – u. a. in Deutsch und natürlich auch in Religion. Und weil der Glaube auch Taten der Nächstenliebe erfordert, engagierte sich die Lehrerin ehrenamtlich vor allem für Straßenkinder. In den 1990er Jahren lebten bis zu 60.000 in der Millionenmetropole St. Petersburg. Sie förderte die Gründung von Kinderheimen und kümmerte sich darum, dass rund 500 Kinder neue Familien fanden.

Die Staatsanwaltschaft

Doch zehn Mitgliedern der Russischen Akademie der Wissenschaften passte die Wiedergeburt des christlichen Glaubens nicht. Sie schrieben deshalb an die Regierung einen Brief, in dem sie die Meinung vertraten, dass jede Form von Religionsunterricht an der Schule gegen die Verfassung verstoße. Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf. Plötzlich drohte allen Schulen mit Religionsunterricht ein Gerichtsverfahren – mit ungewissem Ausgang. Könnten Religionslehrer zu Verfassungsfeinden werden?

Fast alle Schulen knickten ein

Die meisten Schulen strichen daraufhin Religion aus dem Lehrplan. Nur drei im riesigen Russland blieben standhaft – mit dabei war Muschnikowa mit ihrer Peterschule. Das Verfahren dauerte ein halbes Jahr. In dieser Zeit betete die Schulleiterin viel und rief auch ihre internationalen Freunde – u. a. bei der Offensive Junger Christen (OJC) im hessischen Reichelsheim im Odenwald – zur Gebetsunterstützung auf. Die Gebete waren nicht vergeblich, denn das Urteil kam einer Sensation gleich. Die Richter befanden, dass Religionsunterricht nicht der Verfassung widersprach. Wenig später erfolgte die nächste Sensation: Präsident Dimitri Medwedjew erlaubte die Einführung des Religionsunterrichts an allen staatlichen und privaten Schulen. Die Atheisten waren mit ihrer Kampagne völlig gescheitert.

Eine wahre Pioniertat

Weil der Unterricht aber nicht von Geistlichen erteilt werden soll, sind plötzlich die Lehrerkollegen von Muschnikowa und sie selber stark gefragt. Gemeinsam haben sie inzwischen Lehrbücher für Lehrer verfasst, in denen sie auch Atheisten erklären, dass Religion – anders als von den Marxisten behauptet – nicht Opium für das Volk ist, sondern dass christliche Werte und Kultur eine Grundlage für das Zusammenleben in einer Gesellschaft   bilden. Ihre Freunde von der OJC beteiligen sich nicht nur an ihren diakonischen Projekten, sondern unterstützten auch das religionspädagogische Team der Schule. Es hat nach 70 Jahren Atheismus in Russland eine wahre Pionierarbeit zu bewältigen.

aus: IdeaSpektrum, 19. Juni 2010

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