Wie in einer richtigen Familie

Alex Krutov (hinten in der Mitte) besucht häufig die Wohngruppen von Pristin/The Harbor.
Alex Krutov (hinten in der Mitte) besucht häufig die Wohngruppen von Pristin/The Harbor.

Pristin/The Harbor hilft Jugendlichen sich nach der Kinderheimentlassung zurechtzufinden
 
Interview mit Alex Krutov vom Mai 2013

Heutiger Gast des KONTEXT-Magazins ist Alex Krutov, Mitbegründer der Hilfsorganisation Pristin/The Harbor. Er berichtet über das Leben russischer Waisenkinder und dem erfolgreichen Programm sozialer Integration von erwachsen gewordenen ehemaligen Schützlingen. 2011 veröffentlichte er seine Autobiographie in den USA mit dem Titel: Infinitely More (Unendlich Mehr), in dem er aus seiner frühen Kindheit berichtet, wie er in sowjetischen Kinderheimen aufwuchs und später zu einem lebendigen Glauben an Gott fand.

In Ihrem Buch berichten Sie über mehrere Situationen schutzbedürftiger Waisenkinder in der Gesellschaft. Wie denken Sie über das bestehende russische Jugendschutzgesetz? Wenn angewandt, würde es die Umstände positiv beeinflussen, oder nur das Leben der Kinder und (Pflege)Eltern erschweren?

Das russische Jugendschutzgesetz, wenn richtig angewendet, kann hilfreich sein für die Erziehung von Kindern in staatlichen Institutionen. Die Mitarbeiter tragen die volle Verantwortung für das Wohlergehen der anvertrauten Kinder. Leider kommt es immer wieder vor, dass die jüngeren Kinder Opfer physikalischer oder sexueller Gewalt werden, ob durch ältere Kinder oder sogar durch Mitarbeiter. Wichtig wäre eine Strategie zu entwickeln, die dazu führt, dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Selbst Maßnahmen wie eine Entlassung aus einem Arbeitsverhältnis oder Gefängnisstrafe werden jedoch nicht nachhaltig die Lage verändern. Vorbeugende Maßnahmen sind hier effektiver. Wie das Jugendschutzgesetz auf eine familiäre Situation angewendet werden kann, ist eine weitere Herausforderung. Wichtig ist, abzuklären, wer die staatlichen Behörden kontrolliert, um Willkür und Nachlässigkeit auszuschließen. Viel zu oft werden Kinder ihren Eltern ohne nachvollziehbare Gründe entzogen. Die Zahl der Sozialwaisen in Russland wird leider wohl noch weiter ansteigen. Ich hoffe, dass niemand in Russland solch eine Entwicklung für gut hält.

Es ist meine tiefste Überzeugung, dass zusätzliche staatliche Regelungen und behördliche Einrichtungen den Schutz von Waisenkindern nicht wesentlich verbessern werden. Davon haben wir bereits genug. Meiner Meinung nach liegt der Schlüssel zur Veränderung in der Unterweisung der Gesellschaft und dem Personal von Kinderheimen. Heutzutage ist die öffentliche Grundhaltung in der russischen Gesellschaft gegenüber Waisen- und Straßenkindern sehr negativ. Waisenkinder sind generell nicht willkommen. Die staatlichen Behörden, die direkt mit den Kinderheimen zusammen arbeiten, betrachten Waisenkinder als eine Last für den Staat. Kinderheime bilden eine institutionelle Maschinerie die schon seit langer Zeit so funktionieren. Es scheint einfacher zu sein Kinder in Heimen verschwinden zu lassen, als sich Strategien und Hilfen für bedürftige Familien auszudenken, speziell solchen, die mit Teenagern Probleme haben. Ja es stimmt, dass in jüngster Zeit öffentlich über Hilfeleistungen für bedürftige Kinder gesprochen wird, doch ich bin dem gegenüber skeptisch. Gelegentlich wird materielle Hilfe geleistet, doch es ist die persönliche Zuwendung, die so wichtig ist. Viele der durchgeführten Projekte dienen als Alibi für das offizielle Berichtswesen. Die gestellten Fragen sollten besser auf die konkrete Situation eingehen. Das Personal sollte sich hinterfragen lassen, ob es überhaupt motiviert ist, Zeit und Energie zum Wohle der Kinder einzusetzen. Wenn die Öffentlichkeit mehr Schulung zum Thema erhalten würde und mehr über die Hintergründe erfahren würde, weshalb biologische Eltern ihre Kinder ablehnen und wie lohnend es ist, sich solcher Kinder liebevoll anzunehmen – die Situation in meinem Lande würde sich zum Positiven verändern. Denn: Kinderheime sind nicht die Ideal-Lösung für Waisenkinder – in keinem Land der Welt.

In wie weit ist die heutige Situation in den Kinderheimen in Russland anders, verglichen zur Zeit der Sowjetunion, die Sie ja noch erlebt haben?

Die größte Veränderung sehe ich in der Abnahme der Kinderzahl in den Heimen. Früher waren es viel mehr Kinder pro Einrichtung. Sie glichen einer Menschen-Fabrik. Ein kommen und gehen... Dankenswerter Weise hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass große Institutionen nicht förderlich für die persönliche Entwicklung eines Kindes sind. Dennoch gibt es hier noch viel zu tun.

Zur Sowjetzeit gab es so gut wie keine Psychiater oder ein Sozialamt, das sich der Waisenkinder annahm. Die psychologischen Bedürfnisse der Kinder wurden damals schlicht ignoriert. Wen wundert es, dass deshalb viele Kinder ein mangelndes Selbstvertrauen, geschweige ein Selbstwertgefühl entwickeln konnten. Es fehlten positive Vorbilder, an denen sie sich orientieren konnten. Heute besteht ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder. Doch allein der Wunsch, mehr Hilfestellung zu geben hat noch keine Fortschritte und Erfolge erbracht.

Aber auch die Sowjetzeit hatte ihr Gutes. Damals haben wir viele Museen und andere kulturelle Einrichtungen besucht. Dies ist heute kaum noch der Fall. In mir wurde damals das Interesse für die Geschichte von St. Petersburg geweckt. Heute füllen die Kinder ihre Zeit hauptsächlich mit Fernsehen oder Computerspielen aus. Oft mit zweifelhaften Inhalten, kaum förderlich für die persönliche Entwicklung. Ohne reale Wertevermittlung aber bleiben die Seelen der Kinder leer.

Andere Dinge haben sich nicht geändert. Ich kann mich zum Beispiel noch gut daran erinnern, dass wir als Kinder oft Gewaltfilme anschauen durften. Niemand hinderte uns daran. Wir ahnten damals noch nicht, welche zerstörerische Wirkung diese auf unsere Moral und innerer Einstellung hatten. Leider ist diese Situation bis heute unverändert.

Zur Sowjetzeit gab es noch eine striktere Kontrolle zwischen den Geschlechtern. Heute sind Vergewaltigung, Jungs die mit Mädchen schlafen und Teenagerschwangerschaften an der Tagesordnung.

Es ist schwer zu sagen, ob sich die Zahl der Waisenkinder heute stark verändert hat. Man spricht jetzt von der vierten Waisenkinder-Welle seit der Wende. Offizielle Statistiken sprechen von 740.000 Waisenkindern, die Dunkelziffer ist jedoch viel höher.

Sie haben die USA und andere Länder besucht. Hatten Sie die Möglichkeit, sich umzusehen, wie andere Länder ihre Kinderheime strukturieren? Gibt es da ein System, das Ihnen am besten gefallen hat?

In den letzten 18 Jahren besuchte ich Finnland, Estland, Deutschland, die USA, England, Italien, die Bahamas und Tschechien. Nur in den USA konnte ich einen tieferen Einblick in das dortige System erhalten. Das Land hat eine Entwicklung verschiedener Formen im Kinderheimwesen durchlaufen. Vor über sechzig Jahren gab es ein System der alleinerziehenden Mutter. Sie erhielt staatliche finanzielle Unterstützung für die aufgenommenen Kinder. Leider wurde dieses Programm schnell wieder einstellt, da es anfällig für den Missbrauch der finanziellen Mittel war. Daraufhin wurden die ersten Kinderheime gegründet, meist in unmittelbarer Nachbarschaft einer Kirche. Die Kirchgänger waren eingeladen sich praktisch in den Alltag der Heimkinder einzubringen. Auch dieses System endete bald, weil Psychologen herausfanden, dass je länger sich die Kinder in diesen Einrichtungen aufhielten, ihre persönliche Identität Schaden nahm. Daraufhin wurden die Heime geschlossen. Das System der Pflege-Familien wurde ins Leben gerufen. Es besteht inzwischen am längsten von allen.

In den USA erhalten zukünftige Pflegefamilien viel Unterstützung und Schulung für ihre Aufgabe. Die Kinder verbleiben in den Pflegefamilien bis sich die Lage der leiblichen Eltern grundsätzlich verbessert hat, oder aber sie werden zur Adoption freigegeben. Die Pflegefamilie kann ein Kind erst nach einer bestimmten Zeit adoptieren, dann erlischt der Anspruch der leiblichen Eltern. Ein psychologisches Gutachten muss positiv für die Familie ausfallen, die ein Kind adoptieren möchte. Sozialarbeiter und Psychologen unterstützen die Familie auch nach einer Adoption. Auch kirchliche Stellen bieten ihre Hilfe an. Die Pflegefamilien erhalten staatliche finanzielle Unterstützung. Der Betrag ist jedoch nicht hoch. Die Hauptmotivation für solch einen Schritt soll die fürsorgliche Zuwendung zu einem bedürftigen Kind sein. Solange ein Kind in einer Pflegefamilie untergebracht ist, behalten die leiblichen Eltern ihre rechtlichen Ansprüche. In Russland verlieren die leiblichen Eltern diese leider viel zu schnell. Auch erhalten sie weniger Unterstützung.

Heute gibt es in den USA nur noch private Kinderheime. Sie arbeiten eng mit dem Sozialamt zusammen. Nahezu alle Einrichtungen haben einen kirchlichen oder gemeinnützigen Hintergrund. Meist sind sie klein und auf Familiengröße reduziert. Ich hatte das Vorrecht, eines der größten Kinderheime in den USA zu besuchen - das Hendrix Children's Home in Texas. Es wird privat geführt und wurde 1930 von einem fürsorglichen Ehepaar gegründet. Sie errichteten eine Stiftung die noch heute für die Finanzierung aufkommt. Dieses Kinderheim kümmert sich um Sozialwaisen. Was mir sofort auffiel war die familiäre Atmosphäre. Die Kinder leben zusammen mit ihren Hauseltern in einem eigenen Wohnhaus. Das Alter der Kinder war wie in einer richtigen Familie sehr unterschiedlich. Auch die leiblichen Kinder der Hauseltern lebten mit den anderen Kindern zusammen. Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer und wird als vollwertiges Familienmitglied betrachtet. Alle Kinder übernahmen Arbeiten im Haus, wie in einer normalen Familie üblich. Die Kinder werden schon früh gefördert und begleitet auf dem Weg in die Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Auch wenn die Kinder einmal das Heim verlassen, weil sie volljährig geworden sind, werden sie nicht vergessen. Ein Anschlussprogramm soll helfen, den Schritt in die Eigenständigkeit zu meistern. Kinder mit besonderem Potential erhalten die größtmögliche Förderung. Ehemalige Heimkinder zeigen ihre Verbundenheit und Dankbarkeit, indem sie ihr früheres Zuhause immer wieder besuchen oder sogar durch Spenden unterstützen.

Die Weltöffentlichkeit verfolgt aufmerksam die Entwicklung des russischen Verbotes der Adoption durch Ausländer. Was ist Ihre Meinung dazu? Denken Sie, dass die russische Regierung in der Lage ist, das Kinderheim-Problem selbst zu lösen?

Ja, das war ein Schritt der alle geschockt hat. Es schmerzt mich sehr mitansehen zu müssen, wie bedürftige Kinder zum Spielball der Politik geworden sind. Ich persönlich empfinde, dass dies ein rein politisch motivierter Akt war der nichts mit dem Anliegen der Kinder zu tun hat. Offiziell wird dies geleugnet und man betont, dass jetzt nur noch russische Ehepaare Kinder adoptieren können. Hätten wir genügend willige russische Ehepaare, würde ich das Gesetz unterstützen. Alle die sich näher mit dem Problem befassen wissen jedoch, dass eine Adoption unter Russen nicht sehr populär ist. Auf der staatlichen Webseite des russischen Ministeriums für Fortbildung und Wissenschaft und dem Amt für Kinderschutz kann man nachlesen, dass seit 2008 die Adoptionen von Russen von 10.000 auf 7.400 pro Jahr gesunken sind. Wenn der Staat wirklich an einer Steigerung der Adoptionsrate interessiert wäre, müsste er mit Maßnahmen dagegen steuern. Gründe für den Rückgang in den Adoptionen sehe ich darin, dass viele Leute nicht den Mut dazu haben und es wenig Informationen zur Situation der Waisenkinder gibt und wenn, diese dann meist negativ ausfallen.

Ich fürchte, dass Geld der hauptsächliche Motivationsfaktor im russischen Adoptionswesen ist. Immer wieder höre ich von Versprechungen der zuständigen Behörden an Adoptionswillige, dass die monatlichen Zahlungen weiter angehoben werden. Während Ausländer für eine Adoption zwischen 25.000 bis 30.000 Euro bezahlen müssen, ist die Situation für Russen ganz anders. Hier stellt sich die Frage: wie wäre es um die Adoptionswilligkeit bestellt, wenn Russen selbst ebenso soviel Geld bezahlen müssen und nur eine geringe monatliche Unterstützung bekämen? Wie viele Russen würden dann noch ein Kind adoptieren? Was wäre, wenn die Mitarbeiter der Behörden mit gutem Beispiel voran gingen, indem sie ein oder zwei Kinder adoptierten, nicht wegen finanzieller Vorteile, sondern aus Gründen der Liebe und Fürsorge?

Ich bin überzeugt, dass, solange Geld die Hauptrolle in der Adoption spielt, wir nicht die inländische und ausländische Adoptionssituation positiv verändern können. Unsere Medien informieren nach wie vor nicht ausreichend über mögliche Probleme nach der Adoption. Zwar werden bereitwillige Ehepaare auf die Adoption vorbereitet, doch die meisten haben keine Vorstellung, was in der Erziehung von ehemaligen Heimkindern zu beachten ist. Hilfreich für diese Eltern wäre, sie könnten zuvor verschiedene Kinderheime besuchen und sich informieren. Stattdessen wird dieser Schritt jedoch eher behindert. Warum wird in der Öffentlichkeit die prekäre Situation in den Heimen tot geschwiegen. Sollte dennoch etwas durchdringen, ist es meistens „zu spät“. Weshalb gibt es immer noch keine Anlauf- und Beratungsstelle, wenn nach einer Adoption große Probleme auftauchen, weder für die inländischen noch für die ausländischen Adoptionen?

Es ist schwierig zu sagen, ob die russische Regierung überhaupt an einer Lösung dieses Problems interessiert ist. Ich möchte nochmals betonen: wenn wir die inländische Adoption vorantreiben möchten, dann braucht es Mitarbeiter in den Behörden, die mit gutem Bespiel voran gehen. Jemanden, der mindestens ein Kind adoptiert. Doch das zweifle ich eher an. Um die Situation der Waisenkinder grundlegend zu ändern würde es viele Bereitwillige benötigen, die sich dieser Kinder annähmen. Nur abzuwarten verändert die Situation nicht. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Lösung der Adoptionsvermittlung nicht in der Verbesserung der sozialen und ökonomischen Umstände liegt, sondern im Anwenden von spirituellen, moralischen und psychologischen Wertmaßstäben, die die Persönlichkeit des Individuums respektieren.

Was für eine Arbeit tut Pristin/The Harbor heute? Was wurde in der Vergangenheit erreicht?

Diesen Sommer konnten wir unser 12-jähriges Bestehen feiern. Auch für uns ist es erstaunlich, dass wir schon so lange jungen Menschen beistehen können, ihre Lebensträume zu verwirklichen und ihnen in ihrer Selbständigkeit beistehen. Pristin/The Harbor wächst weiter und muss sich immer wieder aufs Neue Herausforderungen stellen. Wir möchten, dass unser Programm für kleine Wohneinheiten Schule macht und sich im ganzen Land verbreitet. Es gibt so viele bedürftige Waisenkinder im Lande, aber wir sind mit unserer Arbeit auf St. Petersburg und Umgebung begrenzt. Unter gesundem Wachstum verstehen wir nicht die Erhöhung unserer Kapazität, sondern die Anwendung von Qualität und Effektivität. Uns ist wichtig, dass die heranwachsenden Kinder eine echte Perspektive bekommen und nicht in der Statistik der Hoffnungs- und Chancenlosen untergehen. Pristin/The Harbor konnte mit seinem Konzept motivierte Teams in Kursk, Kaliningrad, Ryazan und Kazan inspirieren. Drei weitere Standorte, einschließlich Kasachstan, sind momentan im Entstehen. Für das kommende Jahr werden weitere Teams von engagierten Menschen in Nizhnity Novgorod und Vyborg gegründet und von uns begleitet.

Wir danken Gott und dem hochmotivierten Team für das Erreichte und den Erfolg. Das Junge Erwachsene Programm haben bereits 140 Personen durchlaufen. Hierbei wurden vermittelt: eine gut Schulbildung, soziale Kompetenzen, eine Arbeitsstelle und eine eigene Wohnung. Das alles sind wichtige Faktoren, die die Zeit bei Pristin/The Harbor zu einer lebensprägenden Erfahrung gemacht haben. So wurden die Absolventen nicht nur gute Bürger in der Gesellschaft, einige von ihnen wiederum setzen sich nun für Bedürftige in ihrem Umfeld ein.

Einige der Abgänger fanden auch zu einem lebendigen Glauben an Gott. Für uns bei Pristin/The Harbor ist das das Wertvollste. Denn nur Gott kann die tiefen Wunden aus der Kindheit nachhaltig heilen. Gott sei Dank für die vielen Freiwilligen und Spender, die uns unterstützen. Aber es gibt noch viel zu tun, um die Arbeit langfristig auf feste Beine zu stellen.

Unser kleines Berufsausbildungszentrum besteht nun seit fünf Jahren. Dorthin kommen Kinder aus sieben verschiedenen Kinderheimen, sowie einer Obdachloseneinrichtung. Pro Woche werden stundenweise Fähigkeiten vermittelt, die für die Zukunft fit machen sollen. Es werden ständig freiwillige Fachkräfte gesucht, die die Kinder schulen. Wichtig dabei ist die Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, den Kindern geduldig zu helfen.

Wir bemühen uns sehr in der lokalen Öffentlichkeitsarbeit und der Spendenwerbung. Das sind Bereiche, die in Russland bisher kaum vorhanden sind. Die Arbeit von Pristin/The Harbor in seiner jetzigen Größe steht auf zwei starken Beinen: gesunden Finanzen und Gebet. Wir benötigen fortlaufend Sponsoren, Firmen oder Privatpersonen, die uns unterstützen.

Hoffen Sie auf eine Partnerschaft und Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von St. Petersburg oder der Regierung? Wäre das der Schlüssel zu mehr Wachstum und Erfolg?

Pristin/The Harbor ist als Wohltätigkeitsorganisation offiziell registriert. Das Antragsverfahren lief mehr als zwei Jahre, bevor wir das ok vom Justizministerium erhielten. Die Stadtverwaltung hat uns zusätzlich eine Genehmigung erteilt, die uns erlaubt mit anderen Kinderheimen zusammen zu arbeiten. Früher gab es sogar einen regen Kontakt zum Komitee für Erziehung und Forschung.

Momentan knüpfen wir Kontakte zum Komitee für soziale Politik in St. Petersburg. Wir möchten gerne Zugang zu den Kindern erhalten, die bereits zu Pflegeeltern vermittelt wurden.

Wir sind offen für jede engere Zusammenarbeit mit den Behörden, wenn unser Werk dadurch wachsen und sich entwickeln kann. Wir hoffen auf einen guten Kontakt zum Komitee für öffentliche Einrichtungen. Diese könnten uns ein Gebäude für das Berufsausbildungszentrum zur Verfügung stellen. Momentan wohnen wir zur Miete. Wenn wir von der Stadt ein Gebäude geschenkt bekommen würden, hätten wir wieder Mittel direkt für die Ausbildung frei. Gerne möchten wir mit dem Vize-Bürgermeister enger zusammen arbeiten. Er könnte uns bei schwierigen Sozialfragen unserer Kinder eine Hilfe sein.

Momentan ist es schwierig zu sagen, ob wir jemals solch eine Unterstützung von der Stadt oder dem Land erhalten werden. Sie würde unsere Arbeit so viel leichter machen. Bei einer offiziellen Zusammenarbeit gäbe es weniger Schikanen. Es nähme uns auch die Angst, dass die Steuern weiter drastisch steigen oder wir uns mit einer plötzlichen Schließungsandrohung konfrontiert sehen. Momentan erleben wir so viele Schikanen, die unseren Arbeitsalltag erschweren.

Durch eine offizielle Unterstützung würde sich unsere Arbeit, sowie die Arbeit von anderen Hilfsorganisationen, die sich für das Wohl von Waisenkindern einsetzen, deutlich verbessern. Bisher werden NGO`s bei uns kaum von der Gesellschaft unterstützt und sind somit gezwungen, ihre Finanzen im Ausland aufzutreiben. Die Behörden sehen in der finanziellen Unterstützung aus dem Ausland jedoch eine Gefahr für die russische Souveränität. Daher werden diese Geldströme immer wieder behindert. Die Regierung selbst möchte jedoch die Hilfsorganisationen nicht unterstützen und die Frage ist: wie soll es denn dann gehen? Was spricht also dagegen, die Wohltätigkeitsorganisationen nicht mehr zu behindern und mit der Schließung zu bedrohen? Pristin/The Harbor hat das Ziel, in naher Zukunft von ausländischer Unterstützung unabhängig zu werden. Wenn lokale Kirchen, Firmen und Personen uns mehr unterstützten, dann wäre das möglich.

Wie können die Leser heute Pristin/The Harbor unterstützen?

Jedes Hilfswerk ist auf Unterstützung von Außen angewiesen, auch wir. Vor allem Gebet ist wichtig – wir befinden uns in einem geistlichen Kampf. Gebet um Bewahrung vor Angriffen des Bösen und um innere Heilung der Kinder ist uns wichtig.

Natürlich benötigen wir auch finanzielle Unterstützung. Es ist wichtig, dass die Arbeit konstant weiter läuft. Eine regelmäßige, monatliche Unterstützung von 5 oder 10 Euro würde uns bei der Planung sehr helfen. Je grösser der Unterstützerkreis ist, je tragfähiger kann die Arbeit ausgestaltet werden.

Freiwillige Mitarbeiter in der Berufsausbildung sind ein weiterer Pfeiler für die Stabilität der Arbeit. Freiwillige mit Herz und Gotteshingabe werden dringend gebraucht. Menschen, die ihre Fähigkeiten gerne weitervermitteln. Wir unterrichten im Kochen, Schreinern, der Kosmetik, im Schneidern, Töpfern, im Umgang mit Computer und Internet, Englisch als Fremdsprache und dem Friseurhandwerk, um einige zu nennen.

Wir suchen Familien, die unsere Abgänger langfristig unterstützen, wie dies für Kinder in einer normalen Familie auch üblich ist.

Unsere alleinerziehenden Mütter brauchen Unterstützung. Wir begleiten zurzeit ca. 15 Mütter und 25 Kinder. Da viele Mütter selber in Heimen aufgewachsen sind, haben sie keine Ahnung, wie man ein Kind mit Liebe erzieht. Wir unterstützen sie psychologisch, emotional, geistlich, sozial, medizinisch, erzieherisch und materiell. Externe Familien mit Auto könnten für diese jungen Mütter eine weitere große Hilfe sein.

Pristin/The Harbor sucht auch einen professionellen Fotographen, der unsere Printmedien mit Bildern von hoher Qualität unterstützt.

Wir suchen auch eine Druckerei, die unsere Flyer druckt, ohne sie in Rechnung zu stellen.

Kleider- und Lebensmittelspenden sind weiterhin jederzeit willkommen.

Schon jetzt danke ich allen Spendern und Unterstützern von Pristin/The Harbor.

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Hier finden Sie den aktuellen Flyer für die Weihnachtsaktion vom 1. November 2018 bis 31. Oktober 2019

» OJC-Weihnachtsaktion 2018/19 [pdf, 2 Mb]