Zwei Camps auf einem Lagerplatz

Eine Heimat für Kinder in Kisabandi / Nigeria

Katharina, (geb. Härlin - OJC 1998/99) baute mit ihrem nigerianischen Ehemann Israel, Missionar, in eigener Initiative und mit gro­ßem Einsatz ein Kinderzentrum im Buschland Nigerias nahe der Stadt Jos auf. Dort haben inzwischen acht Waisenkinder ein Zuhause gefunden.

Was haben ein nigerianischer Business Manager und eine deutsche Ergotherapeutin gemeinsam? Sehr wenig, würde man spontan denken. Sehr viel, können wir beide nun mit unserem Leben bezeugen: mit dem gemeinsamen Glauben an Jesus und der Berufung, Waisenkindern ein sicheres Zuhause zu schaffen, indem wir sie in unsere Familie aufnehmen.

Der Not der vergessenen Kinder in Nigeria begegnen

Wir sind einander im Oktober 2005 begegnet. Israel arbeitete seit 1998 mit dem "Great Commission Movement of Nigeria" als Missionar und ich war im gleichen Zeitraum auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. Dieses Mal in Nigeria, ebenfalls in einem missonarischen Auftrag. Es sollten noch mehr Gemeinsamkeiten hinzukommen. Wir heirateten am 29. April 2007 in Jos und hatten bereits zu dieser Zeit die Gewissheit, dass wir hier mit Gottes Hilfe einen Ort für Waisenkinder aufbauen würden!

Ein Puzzlestein im langen Berufungsweg war ein Vers aus den Klageliedern 4:4:

"Dem Säugling klebt die Zunge am Gaumen vor Durst,
Die kleinen Kinder bitten um Brot und es niemand da, der es ihnen bricht."

Fünf Monate nach der Hochzeit konnten wir bereits knapp 5 Hektar Buschland in Kisabandi nahe der Stadt Jos in Zentral/Nord Nigeria kaufen. Im Mai 2008 sind wir in ein einfaches kleines Rundhaus eingezogen, das wir dort aus Lehmziegeln gebaut hatten und in dem auch unsere kleine Tochter Jairah aufgewachsen ist. Von dort aus begannen wir im April 2009 den Bau des "House of Refuge", in dem wir dann mit den Waisenkindern wohnen wollten.

Das Konzept: Zehn Kinder und ein Elternpaar

Ende 2011 war das Haus fertig, und im Mai 2012 konnten wir den ersten kleinen Jungen aufnehmen, Selnan. Im gleichen Jahr kamen noch zwei Mädchen, Melody und Ruth dazu. Kuez darauf ist unsere zweite Tochter, Noa, geboren, und schließlich wurden zwei Jungen, Elkanah und Shem, der Familie hinzugefügt. Die nächsten beiden Mädchen, Noro und Sele, kamen im Februar 2013 zu uns, und dann 11 Monate später Kephas, das vorerst letzte Kind, das wir aufnehmen konnten. Mit einer Witwe aus unserer Gegend, die mit uns im Haus wohnt und arbeitet, sind wir also eine Familie von 13! Alle acht Kinder waren traumatisiert, manche kamen verwahrlost, mangelernährt, krank zu uns, manche haben Missbrauch erlebt.

Umso schöner zu erleben, wie wunderbar sie sich entwickeln, wie sie Gottes Liebe durch uns erfahren dürfen und ein Gefühl für ihren eigenen Wert in dieser Welt entwickeln können.

Das Sicherheitssystem:  "Machanaim"

Wir haben das Land "Machanaim" genannt. Das bedeutet "Zwei Lager", nämlich das Camp der Menschen und das Camp der Engel auf gemeinsamem Gebiet.
Dass wir nicht alleine hier campieren, ist eine Lebensnotwendigkeit, denn Raubüberfälle gibt es nach wie vor in und um Jos und seit 2001 auch immer wieder gewalttätige Krisen zwischen Moslems und Christen.

Das Elend von Kindern, die in Nigeria ohne Zuwendung und in vielerlei Mangel aufwachsen müssen, hat Gott auf dem Herzen - und er hat uns seine Liebe zu ihnen ins Herz gelegt. Wir erleben seine Fürsorge und Treue nun schon so viele Jahre, und wenn es dringend nötig war, haben wir auch sein Eingreifen durch Wunder erlebt. Z.B. eine wundersame Vermehrung des Wassers über einige Tage, als wir für 13 Leute nur noch ein paar Eimer Wasser im Tank hatten. 
Von Anfang an war uns auch daran gelegen, dass Weiße und Schwarze einander begegnen und voneinander lernen. Vor allem aber sollen alle Menschen jeder Hautfarbe auf diesem Land Gott selber begegnen können.

Wir freuen uns, dass dieses Projekt nun schon seit 2009 von Freunden und Förderern aus Deutschland mitgetragen wird. Danke für Eure Unterstützung und Eure Fürbitte!

Kontaktdaten der Akpas

Wer direkt mit Israel und Katharina Akpa in Kontakt treten oder ihren Freundesbrief empfangen möchte, kann eine E-Mail an sie schicken. Weitere Informationen findet man auf ihrer Webseite: www.starsministry.de

Post aus Nigeria

Vor Akpas Haus
Vor Akpas Haus

Bericht von Katharina vom September 2016

Seit etwa sieben Wochen sind wir wieder in Nigeria. Während wir weg waren, wäre Selnan beinahe gestorben, Alicia hat vier furchtbare Wochen mit ihm im Krankenhaus zugebracht, anstatt die Zeit mit den Kindern genießen zu können. Nicht viele Menschen wären dazu in der Lage gewesen und es scheint, dass Gott sie extra gesandt hat, damit sie Selnan in seinem Überlebenskampf zur Seite stehen konnte. Seine Krankheit und die Schwierigkeiten im Krankenhaus würden einen eigenen Brief füllen, deshalb sind wir umso glücklicher, dass er es geschafft hat und wieder sein altes, fröhliches, freches Selbst ist!

Statt wie die anderen Kinder während der Ferien in sein Heimatdorf zu gehen, blieb Elkanah, um an der Sommerschule teilzunehmen. Denn mit einer besseren Mathenote könnte er danach zur Junior Highschool gehen. Es ist fast auf den Tag genau vier Jahre her, seit er und Shem zu uns kamen. Damals versuchten sie mit zitternden Händen, das ABC zu schreiben und waren nicht in der Lage dazu. Jetzt kommt er auf die Junior High. Das ist wirklich enorm und wir sind sehr stolz auf ihn! Wir sind stolz auf alle, aber seine Leistungen sind außergewöhnlich.

Es war das erste Mal, dass er mit  Noro, Sele und Selnan, Jairah und Noa, die immer während den Ferien hier sind, bei uns war und das war sehr schön, weil wir ihn so intensiver erleben konnten. Noro hat sich wunderbar entwickelt. Sie konnte durch aus trotzig sein, aber inzwischen zögert sie nicht eine Minute, wenn Israel oder ich sie bitten, etwas zu tun. Jairah macht sich sehr gut in der zweiten Klasse. Und Noa und Sele spielen tagein tagaus ohne sich je zu langweilen. Ich liebe es, ihrem deutsch-englischen Kauderwelsch zuzuhören! Selnan freute sich überhaupt nicht darauf, in die erste Klasse zu kommen, er wäre am liebsten sein Leben lang ein Kindergartenkind geblieben...

In Nigeria herrscht eine entsetzliche Wirtschaftskrise. Manche Nahrungsmittel, Kerosin, Baustoffe kosten das Doppelte und mehr und die Menschen leiden. In unserem Nachbardorf Agingi, gerade hinter den Felsen, wissen manche Menschen kaum noch, was sie auf den Tisch stellen können. … Freunde von uns hatten noch ein paar Lebensmittel, aber nicht das Geld, um Kerosin oder Gas zu kaufen, damit sie kochen können. Dabei arbeiten beide für die Regierung, aber sie sind seit Monaten nicht bezahlt worden.

Die Straße nach Agingi
Die Straße nach Agingi

Uns ist deutlich geworden, dass wir in den letzten vier Jahren sehr nach innen orientiert waren. Das war für unsere wachsende Familie auch gut und richtig so, aber jetzt ist es ander Zeit, nach außen zu schauen, auch die Kinder. Sie sind in vieler Weise ausgesprochen privilegiert und wir wollen nicht, dass sie vergessen, wie das Leben der Menschen in den Dörfern aussieht, von dem sie ja selber kommen. Deshalb besuchen wir mit ihnen einmal in der Woche die Familien in Agingi. Dabei haben wir versucht, uns einen Überblick zu verschaffen, wie es da mit dem Schulbesuch bestellt ist. Fast keiner kann eine Schule besuchen, in der auch tatsächlich was lernt. Viele der Kinder können auch nach Jahren auf einer öffentlichen Schule nicht lesen oder schreiben (wie Odeh z. B., der jetzt nach nur einem Jahr in der gleichen Schule wie unsere Kinder flüssig lesen kann).

Kinder, für die bereits Sponsoren gefunden wurden
Kinder, für die bereits Sponsoren gefunden wurden

Ich hatte die Idee, für die Dorfkinder private Sponsoren zu suchen. Allerdings war ich nicht sehr begeistert. Ich hatte einfach das Gefühl, wenn ich es nicht täte, säßen sie nur jahrelang in öffentlichen Schulen herum und hätten trotzdem keine Chance auf eine gute Zukunft. Aber dann, nachdem wir begonnen hatten, mit den Familien zu sprechen und die ersten beiden Sponsoren für zwei kleine Mädchen gefunden hatten, ist das Mitgefühl und die Anteilnahme für sie und ihre Leben in mir gewachsen.

Sich auf die Nöte anderer Menschen einzulassen ist nicht einfach. Oft würde ich am liebsten Zuhause bleiben und Downton Abbey schauen! Aber nach drei Wochen hatten wir für fünfzehn Kinder Sponsoren gefunden und Israel hat beschlossen, weitere zehn Kindern in einem umgebauten Raum in unserem Hühnerstall zu unterrichten. Das hat er vor ein paar Jahren schon mal gemacht und immer Freude daran gehabt. Die zehn sind zwischen acht und sechzehn Jahre alt, waren schon jahrelang auf einer öffentlichen Schule und manche sind immer noch nicht sicher mit dem  ABC, von Lesen ganz zu schweigen. Deshalb wird er mit ihnen ein Jahr lang lesen, schreiben und Englisch üben, dann können sie eine private Schule in der Nähe besuchen.

An einem Abend haben wir die Eltern aller gesponserten Kinder eingeladen, das war sehr bewegend. Nigerianer zeigen oft  wenig Gefühle, aber an dem Abend war die Hoffnung spürbar. Sie wussten, dass sie ihren Kindern keine gute Schulbildung ermöglichen könnten, vielen von ihnen sind selbst Analphabeten. Einige der Väter kommen jetzt manchmal vorbei und helfen Israel oder reden einfach nur mit ihm. Einer ist Alkoholiker, ziemlich am Ende und sucht jetzt einen Ausweg. Ein anderer, der allgemein als ziemlich „nutzlos“ gilt, hat in Nullkommanix das Klassenzimmer gestrichen und das sehr gut gemacht. Jetzt hat er selber Interesse daran gezeigt, lesen zu lernen! Ein anderer, Lehrer an einer öffentlichen Schule und seit Monaten ohne Gehalt, ist bereit, die Kinder Samstagsvormittags zu unterrichten.

Vor kurzem fuhr ich durch das Dorf und aus allen Richtungen kamen Kinder, die jetzt zur Schule gehen können, mit leuchtenden Augen auf mich zugelaufen. Ich bin so froh, dass ich mich von Downton Abbey am Samstag Nachmittag losgerissen habe und jetzt ein kleines bisschen an ihren Leben teilnehme! Zu sehen, wie neue Hoffnung und Zuversicht entstehen, ist so unglaublich lohnenswert.

Die Schule im Hühnerstall
Die Schule im Hühnerstall

Israel hatte noch die hervorragende Idee, dass jedes Kind, das bei uns zur Schule gehen darf, sich bereit erklären muss, einem anderen Kind im Dorf weiter zu geben, was es am Tag gelernt hat. Ich bin sehr gespannt, wie das funktionieren wird.

Ein anderes Problem, das wir lösen mussten, war jemanden zu finden, der den Kindern bei den Hausaufgaben hilft, denn nur so würden sie es an der privaten Schule schaffen. Es ist unglaublich, aber genau jetzt hörten wir von einer Frau in Agingi, einer arbeitslosen Lehrerin, die gerade aus Lagos zurückgekehrt war. Als wir sie besuchten, um ihr eine Arbeitsstelle anzubieten, mussten wir ihr vorgekommen sein wie eine Engelerscheinung. Inzwischen hat sie schon angefangen!

Die Nachricht, dass wir Kindern den Schulbesuch ermöglichen, sprachen sich schnell rum und immer mehr Eltern oder Großeltern kamen zu uns und baten um Hilfe. Bis jetzt konnten wir für alle Kinder etwas finden, aber eines Nachts bekam ich Angst, das sie über uns kommen würden wie ein Tsunami, und wir in einer Flut von Hilfesuchenden ertrinken würden. Also haben wir beschlossen, nur den Menschen aus dem alten Teil von Agingi, wie wir es ursprünglich geplant hatten, zu helfen.  Prompt kam ein alter Mann von außerhalb mit seiner kleinen Enkeltochter. Er war ganz reizend, alleine mit den drei Kindern seiner Tochter, die sie bei hm gelassen hatte und außerstande, ihnen eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Ich weiß, dass es noch viele solcher Fälle geben würde und habe ihm deshalb erklärt, dass wir an der Grenze unserer Möglichkeiten sind. Ich ermutigte ihn, die Kleine selbst zu unterrichten, denn er konnte lesen und sein Englisch war sehr gut. Vielleicht profitiert das Mädchen ja irgendwie von Israels Idee mit der Weitergabe der Lerninhalte.

Jesus hat in der letzten Zeit immer wieder die gleiche Botschaft für mich: „Ich habe dich gesandt, um das zu tun, aber es ist nicht DEINE Last!“ Er hat mir vor vielen Jahren mal das Bild von einer Feder gegeben, die so leicht ist, dass der Wind (der Heilige Geist) sie aufheben kann und hintragen, wo er will. So möchte er, dass mein Leben sein soll! Und eine von selbst auferlegten Lasten niedergedrückte Feder kann natürlich nicht besonders gut fliegen...

So schien alles ganz gut zu laufen und ich hatte ausreichend Kraft für die Kinder und die unzähligen Unterbrechungen in meinem Alltag (ich kann mich kaum Mal zu einer Tasse Kaffe hinsetzen), als die Malaria mich einholte. Ich vergesse jedes Mal, wie scheußlich das ist. Körperlich habe ich es überstanden, fühlte  mich aber noch eine ganze Weile schwach und reizbar. Vielleicht werde ich ab und zu versuchen, in einem Guesthouse in der Nähe einzelne Stilletage zu halten. Aber ob ich das wirklich tun werde…?

Israel geht es gut, aber sobald die Kinder gegen 8.30 Uhr im Bett sind, bricht er vor Erschöpfung schier zusammen. Gestern schliefen alle um zehn nach acht und auch wir konnten an nichts anderes als Schlaf denken.

Die nächsten Wochen werden den letzten Regen bringen. Es ist jetzt schon ziemlich heiß und das führt bei mir augenblicklich zu einem ziemlichen Energieverlust. Dann  frage ich mich immer wieder, wie lange ich die Kraft haben werde, das hier zu tun.? Ich liebe es, aber sehr oft scheine ich nicht ausreichend Energie zu haben. Nur morgens, wenn ich Zeit im Gebet verbringe, geht es mir, nicht überraschend, besser. Das Geheimnis ist, mit Jesus verbunden zu bleiben, anstatt mich immer mehr anzustrengen. Nicht nur das Geheimnis, sondern meine einzige Hoffnung! Er hat nie verlangt, dass die Kraft aus mir kommen sollte...

Ich grüße euch aus unserer wunderschönen Buschoase und freue mich, von Euch zu hören,
Katharina

übersetzt und leicht gekürzt von Birte Undeutsch

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