Mit dem Jahresteam in der Darmstädter Synagoge und auf den Spuren jüdischen Lebens in Reichelsheim
Mitte November waren wir als OJC zu Besuch in der Darmstädter Synagoge. 22 Personen im Alter zwischen 16 und 83 Jahren wurden von Daniel Neumann, dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde in Hessen, herzlich empfangen. Unter der Überschrift „Das Judentum für Anfänger“ erklärte er uns zunächst im jüdischen Gebetssaal den Verlauf der Gottesdienste, erwähnte Unterschiede im liberalen, orthodoxen und konservativen Judentum oder zwischen dem Kantor und dem Rabbiner. Ebenso beschrieb er die Entstehung der Thorarollen nach jahrhundertealter Tradition. Anschließend hörten wir bei Getränken und Snacks die leidenschaftlichen und kurzweiligen Ausführungen Daniel Neumanns über Elemente jüdischer Geschichte und die Weisheiten der fünf Bücher Mose. Wir hörten Argumente für die Zuordnung der Geschlechter, erfuhren mehr über die Bedeutung des Pessachfestes und seine vegane Begründung und Gestaltung heute, unterbrochen von unseren Fragen zum jüdischen Glauben. Jung und Alt lernten dabei Neues und dass aufgrund der vierhundertjährigen Sklaverei im ägyptischen Todeskult vor allem das Ja zum Leben mit dem Bund am Sinai die religiöse Mitte jüdischen Glaubens, wurde, das durch Gebote und Geschichte dieser Volks- und Glaubensgemeinschaft aufleuchtete. Wir bedanken uns herzlich für die Gastfreundschaft der Jüdischen Gemeinde Darmstadt.
Zuvor hatte sich das OJC-Jahresteam im Rahmen zweier Fokustage mit Themen rund um das Judentum beschäftigt. Ralph Pechmann teilte mit der jungen Generation seinen persönlichen Weg der Aufarbeitung der Vergangenheit in Zusammenhang mit seiner Herkunftsfamilie. Gerd Lode, ehemaliger Bürgermeister von Reichelsheim, erzählte von der Geschichte des jüdischen Lebens in Reichelsheim und wie es 1995 zu einer Begegnung mit Reichelsheimer Juden, die dem Holocaust entkommen waren, kam und welche heilende Wirkung diese Begegnung für die ehemaligen Reichelsheimer Bürger, ihre Nachkommen und den Ort selbst hatte. (Es gibt einen Bericht über diese Begegnung im OJC-Buch „Riskiere dein Herz“)
An einem sonnigen Herbstnachmittag suchten wir Orte jüdischen Lebens in Reichelsheim auf: Wohnhäuser, die ehemalige Synagoge, die letzten Spuren der ehemaligen Mikwe und den jüdischen Friedhof. Wir erlebten, dass die Betrachtung der Geschichte den Blick auf die Gegenwart – und vielleicht auch auf die Zukunft – weitet. Mit den Worten der Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin Florence Gaub: „Je mehr Geschichtsbewusstsein, desto mehr Zukunftsbewusstsein.“ (In: Gaub, Florence: Zukunft. Eine Bedienungsanleitung, 2023, S. 80)
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